MADEIRA:  Blumen,- Wander,- und nicht zuletzt Motorradinsel!

Die Insel Madeira
Die Insel Madeira

Lange hat´s gedauert, bis dieser Bericht nun endlich erscheint. Zwei junge Erwachsene, die immer meine Kinder bleiben, zogen und ziehen um und aus. Renovierungen stehen an. Das Büro wird aufgrund eines großen Klaviers meiner Tochter in Kisten zusammen gepackt und ich sitze zum Schreiben am Esstisch - nicht sehr komfortabel! Dann ereilt uns noch eine Internetinsuffizienz, die das Arbeiten am PC zum Alptraum werden lässt und last but not least: mich ereilt eine schwere Muskelerkrankung und ich kann das Sitzen kaum noch aushalten. Letzteres hält noch an und ist noch nicht ausgestanden, aber ich kann Euch ja nicht bis Weihnachten warten lassen. Und hier zur Einstimmung auf diese tolle Insel zuerst einmal ein kleines Video. Bitteschööööön!

Am 25.05.14, einem Sonntag flogen wir ganz früh morgens von Brüssel nach Funchal auf Madeira. Einen Direktflug bekommt man auf Deutschlands mannigfaltigen Flughäfen leider nicht. Also nahmen wir die Fahrt in Kauf und starteten um kurz nach 5:00 Uhr mit dem Flieger. Zapperlot, die Thomas-Cook-Maschinen sind so was von eng! Karsten musste den Vordersitz zwischen seine Bein nehmen, um überhaupt sitzen zu können. Für etwas über drei Stunden Flugzeit ist das heftig. Außerdem gab es nichts zu essen und Getränke mussten bezahlt werden. Das war das einzig Negative an diesem Urlaub und damit konnten wir uns arrangieren.

 

Wir saßen schon um 10:00 Uhr in Carnico in unserem superschönen, kleinen Hotel Vila Ventura am Frühstückstisch und durften noch einmal richtig zulangen, bevor wir uns ein wenig ausruhen konnten. Das Zimmer war groß und geräumig, der Balkon hatte Meerblick und das Bad war auch nicht klein, die Dusche mit direkter Fensterbelüftung. Und nachts hörte man so gut wie nichts (neben Karstens Schnarchen, das auch nach vier Tagen verebbte, weil die Insel ein super Klima für Asthmatiker hat)!

Wir machten etwas später einen kleinen Gang durch den kleinen Ort und freuten uns auf den nächsten Tag, denn da sollten wir unsere Motorräder bekommen.

Abends lernten wir gleich den Küchenchef und die tolle Crew des Restaurants kennen. Und wisst Ihr was? Wir hatten absichtlich KEINE Halbpension gebucht, aber wir haben von 14 Abenden 12 Abende dort gegessen und würden es immer wieder tun! Allergrößtes Lob an die Küche und die humorvollen Kellner/innen.

 

Montag, 26.05.14

Am nächsten Morgen mussten wir nur fünf Minuten zu Fuß gehen, da waren wir beim Motorradverleih, Magoscar bzw. Magosbike. Autos hat er auch. Zuerst kam der ganze Papierkram und die Kreditkarten wurden schon einmal "durchgezogen". Dann bekamen wir Order, was wir im Fall einer Panne oder eines Unfalls zu tun hätten. Danach gab´s eine kleine Zeichnung, die uns zeigte, wo die "Werkstatt" lag, in der auch die Motorräder untergebracht waren.

Karsten hatte sich eigentlich eine 800er GS ausgesucht, aber die konnte er, aufgrund eines fehlenden Ersatzteils, leider nicht bekommen. Dabei hatten wir bereits im Februar gebucht! Schade. Nun bekam er eine 700er GS und ich eine 650 er GS. Ich fand die eine so hässlich wie die andere, aber ich sollte die Motorräder noch schätzen lernen.

 

Wir wurden zur Werkstatt gebracht und man präsentierte uns ein orangefarbenes (meins) und ein rotes (Karstens) Unikum. Unikum deshalb, weil meine Füße so ein wenig in der Luft baumelten, als ich auf einer Anhöhe stand und sich das ganze Gerät für mich super schwer anfühlte. Meine Güte, so viel Gewicht war ich nicht gewohnt. Die ersten Schweißtropfen rollten als ich den ersten Abhang runter musste und gleich um ein paar enge Kurven. Das könnte heiter werden. Unbekannte Straßen und Umgebung ist das eine, ein unbekanntes Motorrad noch dazu ist schon "ich schmeiß das Ganze mal hin und gehe zu Fuß"-Gedanken wert.

 

Karsten merkte das natürlich und meinte, wir fahren zuerst mal die Autobahn ein Stück, um uns einzugewöhnen. Dann versuchen wir mal Landstraßen. Ich bin einverstanden. An meinem Motorrad ist eine irrwitzige Blinkerregelung: will ich links, muss ich mit links den Blinker setzen und mit rechts ausmachen. Will ich rechts, muss ich dasselbe mit rechts machen. Ich blinke natürlich erst mal nur immer links und drücke meistens zuerst die Hupe. So ein Schwachsinn - wer hat sich das bloß ausgedacht. Ein Deutscher?

Karsten lacht immer, wenn die Hupe erklingt. Nach einem Tag erklingt sie nicht mehr. Ihr meint, ich hab´s gelernt? Nee, ich blinke nicht mehr.

 

Wir merken schon am ersten Tag, dass diese kleine Insel nicht alltäglich ist. Sie hat einen besonderen Charme und der liegt nicht im Hofieren von Touristen. Im Gegenteil. Die Portugiesen bzw. Madeirer gehen ihrem Tagwerk nach und sind freundlich oder neutral. Sie singen gern. In den Läden stehen Frauen, die Ware verkaufen und die ganze Zeit zum Radio mitsingen. Keine Popsongs, sondern scheinbar eigene Folksongs. Klingt z. T. richtig gut. Wir fahren nach Ponto Delgada und später nach Ponta do Pargo, zum Leuchtturm. Über die Küstenstraße dann zurück nach Carnico. Den letzten Teil wieder über die Autobahn, das ging einfach schneller, denn die Mägen knurrten schon.

 

Wir lernen bzw. ich lerne, dass es keine gerade Straße gibt, kaum einen geraden Parkplatz, außer in Städten, und immer eine tolle Aussicht, so dass es sich lohnt, häufig stehen zu bleiben und zu schauen. Der Gang, den ich wähle, ist meistens der zweite (berghoch) oder der dritte. Da man bei der Kurverei nicht schneller als 65 km/h fährt (wir jedenfalls nicht), komme ich gar nicht dazu, den vierten Gang zu testen. Nur auf der Autobahn, da schon. Das Motorrad fährt sich sehr gut. Ich sitze super bequem darauf und das Allerbeste, was ich an diesem Tag noch gar nicht so richtig realisiere, ist: Alle Unebenheiten scheinen von der GS "geschluckt" zu werden. Wir fahren auf diesen manchmal echt grenzwertigen Straßen als wären es  frisch gemachte Pisten. Das ist erstaunlich und bringt mich dazu, dieses  Motorrad zu mögen. Aussehen ist ja nicht alles. Seht mich an!

Dienstag, 27.05.14

Heute möchte Karsten unbedingt auf die andere Seite der Insel fahren und mir Porto da Cruz zeigen (im Osten). Und was möchte ich? Ich möchte sehr gern durch einen Lorbeerwald oder überhaupt einen Wald fahren. Okay, beides geht. Wir bleiben immer wieder stehen, um die Aussicht zu genießen. Es sind viele Touristen in PKW´s  unterwegs, die auch fahren und staunen. Allerdings gelangen wir nie nach Porto da Cruz, egal, was wir auch anstellen: immer wieder stehen wir vor einem runden weißen Schild mit rotem Kreis drum. Zuletzt bin ich etwas verschwitzt vom vielen Wenden am Hang und bitte meinen lieben Vorfahrer, doch jetzt ruhig eine andere Richtung einzuschlagen. Z. B. auf einen Kaffee nach Santana! Und? Natürlich macht er das. Wir genehmigen uns den überall auf Madeira supergünstigen und sehr leckeren Kaffee und ein Stück Kuchen und gehen ein wenig die Straßen entlang.  Zum Schluss halten wir noch an einem Haus mit einer riesigen Bananenanpflanzung.  Durch das Inland über Santo da Serra und Camacha beehren wir dann am frühen Abend wieder unser Hotel.

 

Heute, am Mittwoch, haben wir viele unterschiedliche Landschaften an einem Tag gesehen. Vorab schon einmal das morgendliche Bikerfeeling- klick!

Mittwoch, 28.05.14

Der heutige Tag war richtig cool. Zuerst fuhren wir nach Sao Jorge, um die berühmte Kirche Senhor Bom Jesus zu besuchen. Als wir aus der Kirche kommen, hat sich der Himmel verdunkelt. Wir schaffen es gerade noch nach Sao Vicente und ich rege an (gerade ich mit meiner Claustrophobie) die unterirdischen Höhlen, die "Grutas do Sao Vicente" am Ortsausgang zu besuchen. Noch ein kurzer Weg zu Fuß, dann zahlen wir Eintritt und sind in einer Viertelstunde bei einer Führung dabei. Reicht noch für einen Kaffee. Vor ca. 890 000 Jahren wurde hier auf 700 m Länge ein durch einen Vulkanausbruch entstandenes Lavatunnelsystem für Besucher erschlossen. Bei Regen genau das Richtige! Später, als wir nach einem zusätzlichen Film ins Freie kommen, scheint die Sonne wieder! Wir fahren, einer plötzlichen Eingebung folgend, nach Porto Moniz, um uns die Meerwasserfreibäder anzuschauen und von dort über die Paul da Serra, einem Hochplateau, zurück nach Carnico. Auf der Paul da Serra fühle ich mich kurz wie in Schottland! So eine Landschaft hätte ich hier nun überhaupt nicht erwartet. Klasse! Es macht riesigen Spaß, die hier sehr guten, breiten Straßen zu fahren und das Gefühl zu haben, man sei allein auf der Welt! Oder auf einem anderen Planeten. Sehr selbst:

Donnerstag, 29.05.14

Heute mache ich mit Hilfe meines tollen Motorrades eine Autotür kaputt. Aber das weiß ich morgens Gott-sei-Dank noch nicht. Da frühstücken wir ordentlich und Karsten hat den Riecher (wie viele andere auch) und meint "Heute ist ein guter Tag, um zum Picco Arieiro zu fahren". Es ist Madeiras dritthöchster Berg mit 1.818 m. Im Frühjahr blüht hier oben eine einzigartige Hochgebirgsflora, im Winter fällt gelegentlich Schnee. Direkt am Gipfel befindet sich, neben dem Café und dem Souvenirladen, eine höchst umstrittene NATO-Radarstation, deren futuristische Kugel das Landschaftsbild seit 2010 bestimmt. Der Pico Arieiro ist der Ausgangspunkt zur Königswanderung auf Madeira, die über die drei höchsten Gipfel der Insel führt. Der Weg ist gepflastert und bedeutet ein ständiges Auf und Ab. Er dauert ca. 5 Stunden für den geübten Wanderer. Man muss nur auf das Wetter achten, auf den heraufziehenden Nebel..... der kommt immer sehr plötzlich und ist doch oft tückisch.

Aber soweit kommen wir gar nicht, da ich es vorziehe, einen "Umfall-Unfall" zu bauen, der uns zeitlich und mich psychisch etwas ins Hintertreffen kommen lässt.

Naja, tolle Wurst. Aber die BMW, solide Maschine übrigens, hat nicht einmal einen Kratzer abbekommen. Dagegen die Tür... der Fahrer ist ein Deutscher, was super ist - und das Auto ein Franzose. Au ha! Französische Motorräder gibt es ja nicht, oder? Da würde ich auch die Finger davon lassen. Wir telefonieren mit dem Vermieter und werden angewiesen, die Polizei herzubestellen. Noch tollere Wurst! Auf diesen hohen Berg wegen einer eingedrückten Tür? Wir wählen den Notruf, denn wir sind ja brav. Wir machen das zwei Mal und lassen an die 15 - 20 Mal klingeln. Niemand nimmt ab. Polizei hat was Besseres zu tun. Gut, dass wir nicht blutüberströmt in irgendeinem Graben liegen. Also: Auf Madeira besser keinen Unfall bauen.


Wir treffen drei Herren aus Ulm, auch aus unserem Hotel und auch mit Motorrädern unterwegs. Der eine interessiert sich sehr für das Wandern. Ich leihe ihm meinen Wanderführer. Zusammen trinken wir einen Capuccino im Café und genießen die tolle Aussicht im Sonnenschein. Der Fahrer des Renault gibt uns noch bekannt, dass er sofort einen Ersatzwagen bekommt. Bei uns ist auch alles okay, nur meine Kreditkarte wird drei Tage später einfach mit 900 Euro belastet. Der Besitzer der Verleihfirma weilte nämlich in Südafrika und hat seine Angestellten angewiesen, erst mal die Kohle einzuziehen, denn ich "könne ja auch frontal in ein Auto gefahren sein". Näheres bzw. Geldrückgabe dann erst, nachdem er wieder auf Madeira ist und das Motorrad Probe gefahren hat. Das geschieht dann ca. 4 Wochen später. Eine ganz schön lange Zeit, wenn man auf Geld wartet und nicht weiß, was los ist. Das gab einen Minuspunkt. Ansonsten war die Vermietung super und die Motorräder machten alle einen guten Eindruck. Wir würden jedes Mal wieder dort unsere Motorräder leihen. Nur eine etwas niedrigere wäre für mich dann doch sinnvoller....


Weiter vom Pico Arieiro geht es nach Machico, zum Snack und zum Stadt-Anschauen. Das Wetter ist toll und ich muss den Schrecken noch verarbeiten.

Da ich gern auf einer Insel auch mal an ihr Ende fahre, entscheiden wir, noch nach Ponta de Sao Lorenco ganz im Osten der Insel zu fahren. Vorher kommen wir an einer neuen "Hotel-Stadt" vorbei, die scheinbar noch gar nicht geöffnet hat. Darin ist scheinbar an alles gedacht worden: Friseur/Beauty, Shops, Glücksspiel, Wellness, Kinderanimation und immer wieder chice Hotels oder Appartements. Dann Restaurants, Cafés etc. Danach kommt so gut wie keine Zivilisation mehr. Zwar gibt es einen Parkplatz, auf dem Wanderer ihre Autos abstellen oder Schaulustige parken, aber sonst ist nichts da außer Aussicht. Und Wind! Puh, es bläst hier, dass man denkt, man ist gar nicht mehr auf Madeira, sondern kurzerhand irgendwo an der Nordsee.

Freitag, 30.05.144

Gestern waren wir im Osten, heute wollen wir im Grunde in den Westen der Insel. Vorher fahren wir aber zu der höchsten Steilklippe Europas: zur Cabo Gibrao. Auf dem Weg Richtung Ribeiro Brava zweigt eine Stichstraße ab zum höchsten Aussichtspunkt: 580 m über dem Meeresspiegel. Wir schauen von der durch ein Geländer gesicherten Plattform hinunter in die Tiefe und sehen schön bestellte Landwirtschaft.  Vom nahen Rancho kann man dort auch mit der Seilbahn hinunter fahren. Winzige Terrassenfelder werden hier von den Bauern angelegt, auf denen Bananen und Gemüse angebaut werden. Jeder Meter wird dafür genutzt. Sie selbst lassen sich übrigens zu ihren Feldern mit Seilen hinunter. Sportliche Leistung!


Wir fahren weiter Richtung Ribeira Brava, dann folgen wir der Küstenstraße bis Calheta, dem bedeutendsten Ort an der Westküste. Er liegt in einer der fruchtbarsten Regionen Madeiras. Es wird immer wärmer und wir schwitzen ordentlich. Da ich gern in Kunstausstellungen gehe, schlage ich vor, uns das "spektakuläre Kunstzentrum" von Calheta anzusehen, das Centro des Artes Casa das Mudas. Das Museum selbst ist zwar ein Prunkbau, allerdings machen sich viele Baufehler bemerkbar. Eine Schulklasse von Teenagern im Alter von ca. 16  - 17 Jahren sind auch dort (sie können schon rauchen) und muss sich gelangweilt diesen Ausflug antun... Wir schauen uns um und finden nicht sehr viel Spektakuläres. Dafür ist der Eintritt spektakulär. Wenigstens dürfen wir unsere Helme abgeben. Das einzige Objekt, was bei mir im Kopf haften blieb, ist ein pinker Teppich aus Kaugummis, der sogar etwas darstellte. Roch auch ganz gut.


Die alte Zuckerfabrik von Calheta möchten wir auch besichtigen, aber dort ist niemand und wir finden auch den Eingang nicht wirklich. Mich hätte die Verwertung von Zuckehrrohr zu Caiphirina doch interessiert.


Danach fahren wir noch ein wenig a) die Küste entlang bis Faja da Ovelha und entdecken eine schöne Kirche. Wir gehen hinein und staunen! Wirklich sehr groß ist dieses Gotteshaus in einem recht kleinen Ort. In unserem Reiseführer haben wir sie bis heute nicht gefunden.

Samstag, 31.05.14

Heute ist das Wetter wieder sehr gut. Die Sonne lacht strahlend vom Himmel und schon beim Frühstück ist es wohlig warm draußen. Wir wollen heute zum Eira do Serrado und Curral das Freiras.  Es geht durch einen duftenden Eukalyptuswald und die Besiedlung wird spärlicher. Auf einer Strecke von 11,5 km müssen wir 1000 Höhenmeter überwinden. Die Straße ist zudem nicht allzu breit, so dass, wenn ein Bus und ein Auto aufeinander treffen, nicht selten das Auto ein Stückchen zurück fahren muss. Und hier der Weg hinauf als kleiner "Beweis-Film", dass die BMW absolut in Ordnung war und keineswegs defekt.

 

Oben angekommen genießen wir einen tollen Ausblick. Das Hotel dort ist auch schon hergerichtet für Gäste und eine Gesellschaft. Wir laufen einen Bergsporn hinauf und haben eine gute Position, um auf das unter uns liegende Curral das Freias zu schauen. Von hier aus kann man auch wandern. Auf einem alten Saumpfad kann man in ca. 1 - 1,5 Stunden ins Tal hinabwandern. Und das Beste ist: der Weg ist schattig und kühl durch Kastanien- und Eukalyptuswälder.

Als Karsten dann mit mir noch einen anderen Weg zum Pico Arieiro hochfahren möchte (da, wo ich die Autotür und so...) da bekomme ich plötzlich Angstgefühle, schlingere rum, habe Schiss vor jeder Kurve, denke ich kann am Hang nicht mehr anfahren, wenn ich bremsen muss usw. Total blöd. Tränen kommen auch noch und deshalb befielt mein Held und Navigierer: "Komm, wir bringen die Kiste weg. Den letzten Tag kannst Du noch bei mir mitfahren". Och, naja, in jedem anderen Fall hätte ich das nicht gemacht, aber hier und jetzt bin ich froh, dass er das vorschlägt. Wir fahren zur Werkstatt und fragen, wann der Mechaniker kommt. Halbe Stunde. Es wird fast eine Stunde und wir sitzen in der Sonne in unseren schwarzen Monturen. Aber dann geht alles ziemlich flott und zu Zweit fahren wir dann vom Gelände und haben noch den Nachmittag Zeit. Wir fahren noch ein wenig herum, aber eher lustlos. Dann zurück zum Hotel, um einen Spaziergang zu machen. Wir sitzen am Meer und chillen, wie man so schön sagt. Morgen ist auch noch ein Tag...

Sonntag, 01.06.14

Heute ist der 1. Juni und der ist genauso schön vom Wetter her wie der letzte Maitag. Ich habe die Vermutung, dass es hier immer so ist und die Hotelbesitzerin (eine Dame aus Kitzbühel) bestätigt mir das. Im Oktober/November ist hier Hoch-Motorrad-Zeit. Gut zu wissen. Wandern ist im September/Oktober/November hier absolut spitze. Da laufen die Leute überall mit Karten und Stöcken durch die Levadawege oder auch woanders. Auch gut zu wissen.

Wir sind heute nur mit einem Bike unterwegs und ich genieße das total und mache einiges an Fotos. Erstmal fahren wir los und ich darf mir die schönsten Orte noch einmal wünschen: ich sage "Paul da Serra, Porto Moniz und dann noch ein wenig am Meer entlang". Wird gemacht! Zuerst einmal hoch zur Paul da Serra. Heute haben wir zuerst keinen Nebel (obwohl der irgendwie dort immer allgegenwärtig ist) und kaum sind wir oben, bibbern wir ganz schön: Ein Temperaturrückgang von fast 13 Grad ist zu verzeichnen. Unsere Handschuhe sind zu dünn und es pfeift durch die Jacken. Trotzdem ist es hier einmalig ruhig und schön!


Wir begeben uns wieder hinab Richtung Küste zu meinem zweiten Wunschziel: Porto Moniz. Anders als beim ersten Mal ist es erheblich wärmer und der Atlantik erheblich unruhiger. So sieht es richtig schön aus, wenn der Gischt hochschäumt und sich die Wellen an den Felsen brechen. Baden ist heute allerdings sehr viel gefährlicher als an ruhigen Tagen. Da kann man schon mal etwas hin- und hergeworfen und auch verletzt werden. Wir begeben uns auf eine Dachterrasse eines Cafés und schlürfen einen solchen. Es wird schon erheblich wärmer.


Dann machen wir uns auf den Weg zum Städtchen Ponta do Sol. Da soll es ein tolles Restaurant geben, sagen die Männer aus Ulm. Das "schwebe" über dem Meer. Wir finden es auch, wollen aber nicht dort essen gehen in unserer schwarzen Kluft. Dazu ist es mittlerweile zu heißt. Wir parken im Tunnel und Karsten macht einen kurzen Strip. Das Foto darf ich natürlich nicht zeigen. Ich mache es aber trotzdem. Warum? Karsten besucht so gut wie nie meine Seite und dann sieht er es ja auch nicht. Ganz einfach.

Als letztes besuchen wir in den engen Gassen ein paar kleine Lädchen, kaufen Marmelade und ein paar Karten. Dann setzen wir uns an als Tischen getarnte Kabelspulen und trinken was Kühles. Wir verlassen dieses schöne Städtchen und begeben uns ein letztes Mal Richtung Hotel per Zweirad. Morgen wird die GS zurück gegeben und wir sind nur noch auf vier Beinen und vier Rädern unterwegs. Auch schön. Die Insel ist nicht groß genug (finden wir), um zwei Wochen mit dem Motorrad auf ihr herum zu fahren. Aber für eine Woche lohnt es sich! Da sieht man auf jeden Fall eine tolle Vielfalt der einzelnen Inselabschnitte und auch, wenn man einen Ort zwei Mal besucht, ist das eine absolut schöne Erfahrung. Wir wissen jetzt schon, dass wir wieder kehren. Und auf jeden Fall wieder in dieses tolle, kleine Hotel Vila Ventura. Eine Empfehlung von uns an alle, die Madeira kennen lernen möchten.

Das war unser Motorradabenteuer MADEIRA. Ich hoffe, es hat Euch gefallen. Wir fahren aber nach dieser Woche noch nicht nach Hause. Da beginnt für mich erst das echte Abenteuer: Wir bekommen einen Spark, das ist ein Auto von Chevrolet und hat genau die richtige Größe für einen Zwei-Meter-Mann und eine Eins-Achtzig-Frau.

Auch, wenn Ihr Euch nicht für das Wandern an sich interessieren sollte (kann ich ja verstehen, habe ich früher auch nicht gemacht), so ist unter "MEIN WANDERJAHR 2014" doch noch einiges an schönem Bildmaterial von Madeira vorhanden von Landschaft und Levadas, die man NICHT mit dem Motorrad er-fahren kann.