Reisebericht Südtirol 2012 Mai/Juni

Motorrad-Wandern in den Dolomiten

Alto Adige - Südtirol mit seinen 36 Dolomiten-Pässen
Alto Adige - Südtirol mit seinen 36 Dolomiten-Pässen

Für den Laien macht es keinen Unterschied, ob Du mit dem Motorrad vierzehn Tage durch Schottland oder England fährst, jeden Tag zu einer neuen Unterkunft, fast 4000 km in der angegebenen Zeit (inkl. Hin- und Rückfahrt zum Fährhafen) und Dir zusätzlich noch Burgen, Schlösser, Herrenhäuser, Museen, Gärten und Whisky-Destillen anschaust oder ob Du vierzehn Tage nach Südtirol fährst, um durch die Dolomiten zu kurven.

 

Bereits im Jahr 2010 mussten wir als praktizierende Motorradfahrer einen erheblichen Unterschied zwischen beiden Reisezielen feststellen: die zweite Variante, nämlich die kurvige, tornantige, haarnadelige, kehrige ist die anstrengendere und auch, wenn Du jeden Abend an ein und denselben Zielort zurück kehrst, die nach fünf bis sechs Tagen langweiliger werdende.

 

In diesem Jahr haben wir aber wieder vierzehn Tage Zeit und fahren in die Dolomiten. Was tun?

Ein paar Wochen vor unserem Start habe ich nach dem Studium einiger Reiseführer, Hochglanzmagazine und Bildbände die Idee: Motorradwandern. Das probieren wir mal! Klingt irgendwie nach altersschwacher Gemütlichkeit, ist mir aber egal. Ich meine es ja anders. Meine Idee ist, einen Tag zu fahren und am nächsten Tag eine Wandertour zu unternehmen. Haben wir dann, aufgrund des Wetters oder des schmerzenden Rückens oder anderer Entscheidungshilfen eher Lust auf das Wandern, dann wird gewandert, wollen wir noch einen weiteren Tag auf dem Bock sitzen, fahren wir. Regnet es Schutt und Asche nehmen wir das Auto und fahren shoppen (die letzte Variante ist die von mir am wenigsten favorisierte, was mir viele Menschen nicht glauben).

 

Also rasch noch in einen Outdoorladen und Wanderschuhe, Funktionshemden, Socken und eine Regenjacke gekauft. Nicht ganz so teuer wie Motorradklamotten, aber ich staune schon nicht schlecht. Jetzt nicht wandern zu gehen wäre eine schwere Form von Geldverschwendung.

 

Im Nachfolgenden kommt ein kleiner Reisebericht über unser MOTORRADWANDERN in Südtirol.

Zeit: 25.05. – 08.06.12.

Ort: St. Vigil in Enneberg, Marebbe (Kronplatz)

Unterkunft: Hotel Condor.

Eigenanreise mit PKW, Anhänger und zwei Motorrädern.

 

Im Hotel haben wir bemerkt: es machen immer mehr Biker so wie wir und letztendlich sind die Kosten dieselben, nur kommt man relaxter an (und vor allem trocken). Was interessiert mich da mein Ruf als „echter und harter Biker“? Drauf gepieselt! Und jetzt geht´s los:

 

RIDE THE DOLOMITES

Alle Bilder sind übrigens durch einen Klick vergrößerbar und mit einer Erklärung versehen

Am Freitag, den 25. Mai ging es um 7:30 Uhr endlich los. Wochenlang schon hatten wir uns gefreut auf diesen Urlaub, beide ein wenig stressgeplagt und vom Wetter nicht gerade verwöhnt. Am Donnerstag wurde noch schnell der Anhänger nach Feierabend abgeholt und abends stand alles gepackt bereit. Hier machten wir eine Pause in Fulda im großen Baumarkt. Da halten wir jedes Mal und essen unser zweites Frühstück bzw. frühes Mittagessen.

Gegen 18:30 Uhr abends waren wir dann im Hotel. Und wurden auf´s Herzlichste begrüßt. Zuerst von "der Oma" und dann von allen anderen Familienmitgliedern inklusive Michael, drei Jahre alt, der immer wissen wollte "was tust Du?". Um 19:30 Uhr gab es das erste tolle Abendessen, unsere Koffer waren schon ausgepackt, unsere Motorräder standen unter der Überdachung und wir fühlten uns sauwohl!

Am nächsten Morgen wollten wir nach dem langen Sitzen im Auto am Vortag gern unsere Beine vertreten. Langsam wollten wir anfangen mit der Wanderei, habe ich doch noch arg Probleme mit der Luft, die gefühlt immer zu wenig vorhanden ist. Meggi, die Hotelchefin und gleichzeitig Mutti vom Michael gab uns einen Tipp, wo wir eine dreistündige Runde machen können und gleichzeitig auch San Vigilio ein wenig kennen lernen.

Wir wanderten so vor uns hin und meine neuen Schuhe drückten gar nicht! Wunderbar. Es machte Spaß, so zu laufen. Die Handys hatten keinen Empfang, es kam hin und wieder ein Traktor und die Hütte oben an der Mittelstation hatte doch tatsächlich geöffnet! Da könnten wir jetzt gleich einen Capuccino trinken...wenn nicht Karsten seine Brieftasche im Hotel gelassen hätte. Nun ja, auch wir werden älter.

Wir waren gegen 13:00 Uhr wieder im Hotel und ruhten uns ein wenig aus. Hier gab´s wenigstens Capuccino! Um kurz vor 15:00 Uhr hatten wir dann doch keine Ruhe mehr! Die Motorräder sollten auch mal etwas von der schönen Gegend sehen. Und weil wir wussten, dass wir nicht stundenlang Zeit hatten, fuhren wir Richtung Taufers.

Wir fuhren bis ganz zum Ende und gelangten in ein Naturschutzgebiet. Hier darf nur noch gewandert werden! Wir schauten uns ein wenig um und fuhren dann ein Stückchen zurück zu einem Gasthof. Da war der Biergarten schon offen. Und es gab einen Topfenstrudel mit Wiener Café. Wir fühlten uns so, als seien wir schon lange hier. Ganz heimisch. Als wir zurück kamen, waren neue Biker angekommen. Das war spannend. Wir hörten ein wenig zu und Konrad, der Hotelchef, erklärte uns unsere Aufgabe für die nächsten Tage, die wir bewältigen wollten: 36 Pässe in 5 Tagen! Genau, Leute: wir wollten Passönig und Passkönigin werden!

www.dolomites-tour-ride.com
Wer Passkönig werden will, hat ein strammes Programm zu absolvieren

Der erste Pass am frühen Morgen des Sonntags, 27. Mai! Der Furkelpass, oder, wie er von uns nur noch genannt wurde: Ferkelpass. Dieser Pass war von unserer Seite aus ganz gut zu fahren. Machte echt Spaß, aber auf der anderen Seite wieder herunter war es eine Ferkelei: die Straße nicht so gut beschaffen und recht schmal. Zurück fuhr ich ihn überhaupt nicht gerne. Da habe ich mich fast jedes Mal geziert. Aber was hilfts: um auf die andere Seite zu kommen, muss man ja drüber.

Der Passo di Mauria, ein kleiner Geheimtipp und wie es aussah, auch der Treffpunkt der italienischen Motorradfahrer. Leider alle Hütten geschlossen und daher keine größere Pause. Der Pass ist aber super zu fahren, hoch wie runter. Wenn Ihr mal dort seid: Jodelt mal hin.

Es war doch noch recht frisch hier oben, aber trotzdem gut besucht. Das liegt natürlich auch immer daran, ob eine Hütte offen ist oder nicht. Jedenfalls war der Parkplatz gut gefüllt: mit Zweirädern (die mit Motor).

Die Pässe südöstlich von und um St. Vigil
Die Pässe südöstlich von und um St. Vigil

An diesem Abend wurden wir im Hotel das erste Mal in punkto Essen überrascht: es gab ein Gala-Dinner! Fünf Gänge mit Aperitif an der Bar und dann schön gemütlich bei Kerzenschein im Speisesaal ging´s weiter. Effekt war letztendlich, dass ich um 21:45 Uhr zu keiner weiteren Aktivität wie Spaziergang mehr fähig war.

Da unten waren wir eben noch...
Da unten waren wir eben noch...

An diesem Montag (Montage sind noch nie mein Ding gewesen) musste ich erfahren, dass wandern bei uns in OWL nicht dasselbe ist wie wandern in Südtirol. Das, was wir da machen mussten, würde hier Trekking oder Bergklettern heißen. Jedenfalls wollte ich hier wieder umkehren, weil ich keine Puste mehr hatte. Mein lieber Karsten aber, der eine Kondition wie ein Pferd hat, meinte, es sei doch nicht mehr weit und runter viel schlimmer als rauf.

Und dann plötzlich, wo niemand ihn vermutete, lag vor uns ein See. Ohne Zufluss, ziemlich flach und in einem Grün-Weiß. Kreidesee heißt er.

Schloss Bruneck
Schloss Bruneck

Um 14:00 Uhr waren wir wieder unten in Pederü auf dem Parkplatz und unsere Befürchtungen auf Muskelkater waren die schlimmsten. Ich schlug vor, noch in eines der fünf

Messner Mountain Museen (MMM) zu fahren. In Schloss Bruneck stellt Reinhold Messner Bergvölker aus Asien, Afrika, Südamerika und Europa vor. Er nennt das Museum RIPA, so nennt man die Bergvölker. Da fuhren wir hin und machten ein wenig "Kultur".

Am Dienstag wurden wir zu einer Tour mit "dem Chef" eingeladen. Als eingefleischter Harley-Fahrer über viele Jahre und als Kenner der Gegend wie die Westentasche führte uns Konrad zuerst auf dem Weg Richtung Österreich zum Biathlon-Zentrum in Antholz und dann genau um 9:30 Uhr durch den Pass "Staller Sattel", der immer nur eine Viertelstunde GRÜN für die eine Seite hat, dann eine Viertelstunde ROT für beide Seiten, so dass die, die im Pass sind, noch heraus fahren können, dann hat die andere Seite GRÜN, dann beide wieder ROT. Kommt man also im falschen Moment kann man bis zu einer Dreiviertel Stunde Wartezeit mitbringen. Wir brauchten das nicht Dank Konrad, dem "Chef".

Dieser Tag brachte die Erkenntnis, dass derjenige, der sein Motorrad beherrscht, auch super über die Pässe, durch engste Sträßchen und Kurven kommt und das auch, wenn das Motorrad eine Harley E-Glide ist. Konrad hatte es vorgemacht. Wir waren auf dem Gailbergsattel zum Mittagessen und sind noch ein gutes Stück südlich gefahren, wo es doch einige Grade wärmer war. Selbst die beiden Schweizer (Triumph Tiger und Triumph Daytona 955) waren begeistert und haben gleich am nächsten Tag wieder eine Tour zugesagt - mit dem Chef.

Und was machen wir am nächsten Tag? Seht selbst!

Die Pässe, die eher südwestlich liegen
Die Pässe, die eher südwestlich liegen

Wir mussten unsere Pässe "sammeln" und fuhren zuerst zu Zweit auf den Würzjoch-Pass. Der wollte überhaupt nicht enden! Als wir oben waren, wusste ich, dass 36 von dem Kaliber definitiv zu viel für meinen Hintern sind!

und wacker einen Pass nach dem nächsten
und wacker einen Pass nach dem nächsten

Wieder etwas ganz Besonderes an diesem Mittwoch Abend: Ladinisches Dinner! Die Ladiner sind eine Minderheit in Italien und die Region um den Kronplatz wie auch um Brixen und einigen anderen Orten gehört dazu.

Unsere Bedienung Flavia erzählt der Fliegerstaffel von Ihrer erfolglosen Männersuche
Unsere Bedienung Flavia erzählt der Fliegerstaffel von Ihrer erfolglosen Männersuche
Die Speisekarte des tollen Abends
Die Speisekarte des tollen Abends
Der Blick von unserem Hotel aus auf die Skipisten
Der Blick von unserem Hotel aus auf die Skipisten

Am Morgen des Donnerstag schauten wir erstmal ins Wetter. Wieder Pässe fahren wollten wir nämlich heute nicht. Also noch einmal mit dem Auto auf zum Würzjoch und dann begann die Wanderung zum Peitlerkofel, die ich so schnell nicht vergessen werde...

 

Rundtour Peitlerkofel, Schwierigkeitsgrad: leicht bis mittelschwer
Rundtour Peitlerkofel, Schwierigkeitsgrad: leicht bis mittelschwer

Etwas bevor der Schnee anfing, wollte ich (wieder mal) Kehrt machen. Echt, mir graute vor diesem Anstieg und dann noch durch rutschigen Schnee mit schmerzenden Bronchien. Aber natürlich hat Karsten mich (wieder mal) überzeugt, dass der Rückweg viel schlimmer sein würde.

Da sind wir hoch gekraxelt
Da sind wir hoch gekraxelt
Ach ja, wieder mal "meine Berg"
Ach ja, wieder mal "meine Berg"

Nach fünf Stunden kamen wir wieder am Würzjoch an - und waren echt erledigt. Und hungrig. Ich aß Schlutzen (das sind so eine Art Tortellinis mit Spinat- und Quarkfüllung und kleinen Zwiebeln drin) und darüber mit Parmesan bestreut. Lecker! Karsten gönnte sich eine Speckplatte. Danach fuhren wir ins Hotel zurück und hatten noch genügend Zeit für drei Saunagänge, jeder eine Massage und ein Sonnenbad draußen auf der Liegewiese. Das war ein ordentlich stolzer Tag!

Am Freitag war wieder Pässe-Tag!
Am Freitag war wieder Pässe-Tag!
Die große Runde mit Passo di Rolle
Die große Runde mit Passo di Rolle

Nach der Bewältigung folgender Pässe: Campolongo, Duran, Forcella Aurine und Cereda kamen wir zum Passo di Rolle, einem unserer Lieblingspässe. "Unsere" Hütte hatte offen und wir genehmigten uns ein Speckbrot und zwei Bier without alcohol.

Es war noch richtig leer überall und das hat Vor- (beim Fahren) wie Nach (die geschlossenen Hütten) teile.

Nach unserer Pause nahmen wir uns vor: Passo Valles, Pellegrino und Pordoi. An diesem Tag gefielen mir am besten Duran und Pordoi. Pellegrino ließ sich am besten wieder herunter fahren.

Hier kam der Karsten angebraust. Ich musste immer auf ihn warten, weil er von jedem Pass-Schild ein Foto gemacht hatte - als Beweis, dass wir dort gewesen waren. Manchmal bekamen wir auch einen Stempel, wenn die Hütten geöffnet hatten. Aber wenn nicht, dann Foto.

Gemeinschaftsfoto vor dem Hallenbad
Gemeinschaftsfoto vor dem Hallenbad

Es ist Freitag und da war der obligatorische Grillabend im Hotel an der Reihe. Die Gäste an diesem Abend waren ausnahmslos Motorradfahrer: Schweizer, Engländer, ein Wahl-Amerikaner und Deutsche. Hier warteten wir gespannt darauf, was der Chef-Koch aus Sizilien uns wohl auf den Teller zaubern würde.

Am Samstag Morgen machte sich die "Flieger-

staffel" auf den Heimweg nach Würzburg. Die drei jungen Männer wurden vom Chef persönlich verabschiedet, wie er das bei jedem Gast tut. Zwei von ihnen werden im nächsten Jahr zu Pfingsten wieder dort sein. Der Kurt, schon 76 Jahre alt, wird wohl keine so weite Tour mehr unternehmen.

Heute war Feiertag in Italien, also verwarfen wir unsere Pläne, Meran zu besuchen und fuhren nach Österreich. Dort knipsten wir auf der Hinfahrt ein paar schöne Fotos, die abends vollkommen dem Apparat de Klick entschwunden waren. Schade... hier noch ein kleiner Rest. Es war auch kein sooo tolles Erlebnis, denn alle Südtiroler schienen nach Österreich aufgebrochen zu sein. Dann kam ein richtig heißer Fönwind ab dem späten Vormittag auf, der mir Kopfschmerzen verursachte. Temperaturen gefühlt um die 30 Grad und ich hatte keine Lust mehr auf´s Motorrad fahren. Also zurück ins Hotel und es war Wellness angesagt. Sehr schön und sehr entspannend. Ist ja schließlich Urlaub.

Alles ging so lange gut, bis mein Zeh den Kampf mit einem Türstopper verlor. Ich hatte gerade ein Handtuch um die Schultern. Das war gut, da konnte ich hemmungslos hinein beißen. Gebrochen war er aber nicht. Tat höllisch weh... bitte an dieser Stelle Mitleid empfinden.

An diesem Tag (Sonntag) fuhr der Dirk nach Hause - mit addierten und insgesamt wohl gut 600 kg Gewicht (alles in allem). Leider kam er dort so nicht an, aber das ist eine andere Geschichte und sollte nicht von mir erzählt werden. Es geht ihm aber wieder gut und ich denke, auch er wird im nächsten Jahr Pfingsten mit einer reparierten E-Glide erscheinen.

Da mein Zeh am liebsten im Bett bleiben wollte und in den Motorradstiefeln der Schmerz nicht gerade weniger wurde, versuchte ich es mit den Wanderschuhen. Es ging gut. Die sind sowieso ein Wunder der Schuhmacherzunft. Wir wählten einen dreistündigen Marsch zur Maurerberghütte, auch am Würzjoch gelegen.

Da wir nach gut drei Stunden wieder im Auto saßen, schlug ich vor, noch nach Brixen zu fahren. Das Wetter wurde immer besser und so verbrachten wir noch einen schönen Restnachmittag in Brixen. Wir mussten heute auch etwas früher im Hotel sein, denn es war Sonntag und was ist am Sonntag? Gala-Dinner! Genau. Und neue Gäste sollten auch kommen, die meisten waren ja nach Hause gefahren.

Der nächste Tag war wieder ein Montag und wie Ihr ja wisst: Montage liegen mir nicht so sehr. Es regnete Rotz und Wasser und das bei ca. 17 Grad. Wir fuhren nach Meran. Dort regnete es bei ca. 24 Grad. Bis um kurz vor 14:00 Uhr, da wurde es wieder sonnig und warm. Alle Busfahrer, die Rentner und andere "Touris" transportierten, hatten dieselbe Idee wie wir. Und da es Montag war und shoppen mir nicht sooo viel Spaß macht, habe ich auch kaum Fotos von dem Tag. Aber erwähnt werden sollte doch, dass es der EINZIGE Regentag in den 14 Tagen des Urlaubs war. Und das auch nur bis kurz vor zwei.

Die südlichsten Pässe mit der weitesten Anfahrt
Die südlichsten Pässe mit der weitesten Anfahrt

An dem Montag, als es unten geregnet hatte, hatte es oben geschneit oder "gepudert", wie Karsten so schön sagt. Wir fuhren am Dienstag nochmal den Pordoi-Pass und an der Seite der Fahrbahn lagen doch tatsächlich dicke Schneebälle und -klumpen herum. Gerade deshalb oder trotz alledem waren heute richtig viele Motorräder oben. Die Luft iwar frisch und klar und wir hatten wieder mal einen Motorradtag vor uns. Mein Zeh schafft das schon... wäre doch gelacht!

Wir fuhren weiter hoch zum Jochgrimm, auch ein Pass. Hier war nichts offen, aber der Parkplatz war voller Autos aus aller Herren Länder! Nanu, ich sah es schon: hier kann man vorzüglich wandern und ist schon ganz schön weit oben, bevor man überhaupt anfängt. Nicht schlecht!

Ein Blick auf den Parkplatz zeigte: hier fahren die Biker gern hin. Die Hütte war offen und es war richtig Action da drin denn ein paar "Sonnenkinder" machten Party! Die Sonne war jetzt doch ordentlich warm, aber da es hier nicht schwül wird, hält man es gut aus. Wir genehmigten uns einen Drink und überlegten, wie wir nun weiter fahren. Der Asphalt auf dem Pass war übrigens gerade erneuert worden. Wegen eines Fahrradrennens. Super, diese Fahrradrennenfahrerevents.

Am vorletzten Urlaubstag hatten wir uns, entgegen des ursprünglich geplanten Rhythmusses, doch noch einmal für´s Motorrad fahren entschieden. War nicht unbedingt richtig, denn an diesem Tag (Mittwoch) regnete es zwar nicht, aber es wurde zunehmend diesig, so dass wir von Stunde zu Stunde weniger sahen und die Kälte auch sehr unter die Jacken ging. Bis auf die Haut. Gut, dass es eine Sauna gab und, weil ja Mittwoch ist, wieder das Ladinische Dinner! Auf irgendwas freut man sich ja immer. Aber soooo schlecht war die Fahrt über die restlichen Pässe nun auch wieder nicht.

Es war schon nach Mittag und trotzdem wurd´s nicht heller und auch nicht wärmer. Mir war echt kalt. Aber die Gegend gefiel mir trotzdem und wir trafen auch noch andere Motorradfahrer, die gerade aus einer Gaststätte kamen.

Die ganz im Westen gelegenen Pässe konnte man gut hintereinander abfrühstücken
Die ganz im Westen gelegenen Pässe konnte man gut hintereinander abfrühstücken

Man erkennt es nicht sofort, aber an unserem letzten Tag hatten wir uns noch zu einer Abschlusswanderung entschlossen. Auf den Hausberg, direkt vom Hotel aus Richtung Rit. Wir müssten nur der Bezeichnung folgen, dann klappt das schon, meinte Meggi. Hier der Ort San Vigilio von (halb)-oben.

Unten im Ort ließen wir uns ein schönes Eis richtig gut schmecken. Mir tat alles weh. Die ganze Zeit über kein Muskelkater und keine Wehwehchen, aber heute hatte es uns richtig erwischt: Sonnenbrand im Nacken und ordentlich Muskelkater in den Waden vom vielen Runtersteigen. Im Hotel angekommen packte ich Koffer und Karsten kümmerte sich um den Anhänger und die Motorräder. Es waren viele Neuankömmlinge da. Die Überdachung reichte schon nicht mehr aus. Wir machten Platz für die nächsten Biker, die zwar jetzt bald alle Hütten offen erleben werden, aber auch viel mehr Verkehr in Kauf  nehmen werden müssen. Zufrieden nahmen wir abends noch das letzte Abendessen ein und verabschiedeten uns schon mal von denen, die wir am nächsten Morgen nicht mehr sehen würden. Der kleine Michael meinte "Warum reist Ihr denn ab? Bleibt doch hier! Was tue ich denn jetzt ohne Euch?" Wir versprachen, dass wir wieder kommen würden.

Abends um 19:30 Uhr erreichten wir unser trautes Heim und wurden von meiner Tochter sehnsuchtsvoll erwartet. Sie hatte viel mehr zu erzählen als wir und so hielten wir den Mund.

Euch sagen wir an dieser Stelle, dass es einfach klasse war und alles gepasst hat: Wetter, Hotel, Gäste, Familie Leimegger als Hotelwirte, die Landschaft, das Klima, die Straßen, die Motorräder und das Wandern. Letzteres hat uns so gut gefallen, dass wir jetzt öfter auf diese Weise Urlaub machen werden. Nächstes Jahr Pfingsten sind wir wahrscheinlich wieder genau dort, bei Konrad im Condor: Kommt wer mit?

Hier noch der Beweis: WIR sind es wirklich!
Hier noch der Beweis: WIR sind es wirklich!