Südtirol im September mit Prosecco-Tour

Der Sommer war ja richtig gut. Und zuweilen sehr heiß. Da hatten wir große Hoffnung auf einen warmen September. Als wir los fuhren, war es noch ganz okay, aber der Herbst kündigte sich hier schon an. In St. Vigil angekommen, merkten wir, wie kühl es in den Bergen schon sein konnte.

Gebucht hatten wir zum dritten Mal beim Konrad im Hotel Condor und als wir eintrafen, waren auch schon einige wenige Motorradfahrer dort. Es sollten noch mehr werden. Angekündigt hatte sich auch ein Spyder-Club, der auch mit auf die uns zwar schon vom Hörensagen bekannte aber noch nicht durchgeführte Prosecco-Tour kommen sollte.

Aber nun erstmal: Ankommen am Sonntag, 20.09.2015 in St. Vigil/Enneberg/Marebbe.

Durch einen Stau sind wir länger unterwegs als geplant und ziemlich "platt". Daher nehmen wir uns vor, am nächsten Tag auszuschlafen und unsere erste Motorradtour selbst zu unternehmen. Es ist also Montag, der 21.09.15 und recht schönes Wetter. Als wir aufbrechen, ist es schon fast halb elf, aber das macht uns nichts aus. Wir haben ja zwei Wochen Zeit...

Wir fahren zum Passo Giau und schauen uns ein wenig um. Lassen uns Zeit.

Bei mir ist es wieder mal so: Kehren fahren ist im Grunde klar. Aber mit der Tiger habe ich das Gefühl, ich muss das ganz neu lernen. Geht irgendwie ganz anders als mit der kleinen Street Triple. Ich fühle mich nicht so sicher wie ich mir das vorgestellt hatte. Gut, dass Karsten auch erst vorsichtig anfängt. Ich dachte: Nach Sardinien mit der flotten Truppe sind die "Dolos" ein Witz. Dass diese Pässe es doch in sich haben und ganz anders zu fahren sind als Sardiniens wunderschöne Kurven und Straßen weiß ich gleich am ersten Tag.

Am nächsten Tag (Dienstag, 22.09.15) entscheiden wir uns, mit Konrad und einem weiteren Motorradfahrer auf eine Tour zu gehen. Konrad erzählt was vom Großglockner und Kals und Maut.

 

Wir wollen zügig los, damit wir ohne große Wartezeit über den Staller Sattel gelangen. Den sind wir zuletzt 2013 im Schnee von Österreich aus runter gefahren. Im Schneckentempo. Bin mal gespannt, wie der anders herum fahrbar ist.

 

Morgens ist es erst recht kalt und ich ziehe mich  warm an. Was auch besser ist. Das Visier beschlägt zum ersten Mal seit ich den Helm habe und meine Arme und Beine fühlen sich an wie eingefroren. An der Einfahrt zum Staller Sattel haben wir zwar schönsten Sonnenschein, aber warm ist es noch nicht. Wird aber. Konrad hält mit uns noch an einem See, weil wir etwas Zeit haben. Eine Gruppe Fahrradfahrer will mit uns über den Pass. Und noch viele mehr. Wir mogeln uns ganz nach vorn, denn wir sind ja sowieso schneller...

Auf der Fahrt zur Kalser Glocknerstraße (Osttirols Ausflugsziel Nr. 1 - so wird es beworben) machen wir noch eine kurze Pause auf einem Parkplatz mit Wasserfall. Dort sprudelt auch eine kleine Quelle und das Wasser schmeckt herrlich. Die Sonne wärmt nun schon und ich bin aufgetaut. Jetzt müssen wir gleich 5 Euro Maut bezahlen und dürfen die idyllische Höhenstraße per Zweirad erklimmen. Ich bin schon sehr gespannt.

Also: Diese Höhenstraße (die wirklich außerordentlich schön ist) wurde zwischen 1976 und 1980 gebaut und war ein Meilenstein in der landwirtschaftlichen und auch touristischen Erschließung des Ködnitztales. Die touristische interessiert mich persönlich mehr und da hätten wir tolle Wanderwege, Bergsteigerouten, idyllische Restaurants und Cafés mit Parkplätzen. Heute ist das Wetter super und der Konrad hat´s mal wieder gewusst! Auf der Südtiroler Seite braut sich nämlich schon was zusammen, aber das ahnen wir noch nicht.

Konrad führt uns in ein Restaurant. Dort hat er schon einen Tisch reserviert, denn es ist echt was los dort heute. Wir sitzen draußen und ich habe nun direkt Gedanken an einen Sonnenbrand. In ärmellosem Funktionsshirt genießen wir ein köstliches Mittagessen. Lecker schmeckt´s, weil hier die Luft so gut ist. Auf dem Rückweg fährt Konrad mit uns die Pustertaler Sonnenstraße (Gemeinde Pfalzen) entlang. Die ist so gut wie einspurig und sehr idyllisch, aber auch nicht ungefährlich, denn natürlich ist sie nicht einspurig. Wir halten noch ein Mal, um Fotos zu machen und was zu trinken und fahren dann wieder zurück zum Hotel, wo die Sauna und das Schwimmbad warten.

Das war unsere Tour

Am nächsten Tag (Mittwoch, 23.09.15) ist nichts mit Motorrad fahren. Der Himmel ist grau, es hat in der Nacht geschneit und der Nebel hängt dick und fett über dem Tal. Später soll´s regnen. Wir chillen, lesen, chatten und um die Mittagszeit brechen wir zu einer kleinen Wanderung auf. Einfach mal rund um St. Vigil gucken, was man so erlaufen kann.

Es wird an diesem Tag zwar nicht mehr sonnig, aber es hört wenigstens auf zu regnen und wir finden es nicht so schlimm, uns mal zu bewegen. Muss ich mit den immer noch andauernden Beinschmerzen ja sowieso öfter als mir lieb ist, denn durch das Sitzen wird´s nicht besser. Also besuchen wir noch einen Campingplatz mit kleinem See, ein schönes Holzhause und ein renoviertes Haus, das wir im alten Zustand ganz furchtbar verwahrlost in Erinnerung hatten. Nun sieht´s richtig gut aus.

Konrad fragt uns am Abend, wohin wir am nächsten Tag fahren möchten und ich sage, dass ich gern noch einmal dahin möchte, wo die Straßen so urig und die Tunnels so dunkel und nass waren. Gesagt, getan: Wir fahren dann am Donnerstag die Tour 139!

Donnerstag, 24.09.15: Die Tour geht über 275 km. Daher ein früher Start. Es hat "oben" geschneit. Wir starten früh und hätten eigentlich folgende Pässe auf dem Programm an diesem Tag: Valparola, Falzarego, Tre Croci, di Mauria, Sella di Razzo, Ciampigotto, S. Antonio und zum Schluss den Kreuzbergpass. Na, dann!

Es soll ein wenig anders kommen. Durch die veränderten Witterungsbedingungen fährt Konrad mit uns über den Furkelpass zum Kreuzbergpass, dann quasi anders herum über den Passo di Mauria nach Sauris, wo wir ein tolles Mittagessen oben auf der Passhöhe bekommen. Danach zum Misurinasee und über das Würzjoch wieder ins Hotel.

Ich finde es ja im Übrigen und ganz entschieden zu früh für Schnee. Es wird im Laufe des Tages auch wärmer und sonniger, aber so richtig schön wie in Kals wird´s nicht. Dafür gibt´s heute viele Pässe und schöne kurvige Straßen ohne Verkehr. Wir fühlen uns fast wie "allein zuhaus" und gelangen so an den Stausee.

In der Sauris-Region (bekannt für den Rohschinken) speisen wir draußen und haben es richtig urig. Die Strecke dorthin ist auch richtig toll und ein Geheimtipp.

Fahrt nicht nur die bekannten Pässe, wenn Ihr mal dort seid. Traut Euch ruhig mal in diese Gefilde. Ihr werdet sehen, wie klasse das ist - so abseits von den Motorrad-befahrenen Touristenregionen.

Wir halten noch am Misurina-See und ich fotografiere die "Drei Zinnen". Dann geht´s zurück.

Der nächste Tag ist ein Freitag (26.09.15) und Karsten und ich entschließen uns, gemeinsam eine Tour zu unternehmen. Wir möchten zum Kalterer See, denn dort waren wir noch nie. Da soll es auch wärmer sein, denn es liegt viel tiefer und außerdem wird dort "getörggelt" oder so ähnlich. Irgendwas mit Äpfeln und Ernte usw. Wir fahren nicht ganz so früh los, denn das Visier soll heute geschlossen bleiben. Zuerst zum Würzjoch, dann zum See und nachher über das Grödner Joch wieder heim.

Auf dem Rückweg wird es doch wieder richtig frisch und ich muss anhalten, um Kleidung "nachzulegen". Die Herbstsonne setzt die Dolomiten-Felsgesteine in wunderschönes, warmes Licht mit allerlei Schattierungen. Auf der Fahrt zum Grödner Joch knipse ich ein paar Fotos, um das einzufangen.

Am Tag darauf, dem Samstag, machen wir eine Wandertour im Naturpark Fanes-Sennes. Diese Wanderung wird bei mir in absolut positiver Erinnerung bleiben, denn im Jahr 2012 habe ich sie kaum geschafft und gedacht, meine Lunge müsste explodieren. Dieses Mal geht es erheblich leichter und ich schaffe den Rückweg sogar besser als mein lieber Mann, der sich noch einen kleinen Hexenschuss holt. Am Sonntag dann (28.09.15) schafft er es nur noch mit Bandage bzw. Hüftgürtel auf das Mopped. Und wir holen etwas aus der Apotheke zum Einreiben. Die Wanderung kommt aber auf die Wanderseite.

 

Am Sonntag, den 28.09.15 also nehmen wir uns zuerst eine längere Tour vor, denn ich möchte gern über den Passo Pordoi und evtl. zur Seiser Alm, aber daraus wird anstatt 260 km Plus nur 177 km, nämlich weil mein Mann "Rücken hat". So hätte die Tour aussehen sollen:

Wir fahren aber: ST. Vigil - Passo di Campologno, Canazei TN, Fassatal bis Moena, dann Passo di San Pellegrino - Falscade - wieder zurück über den Passo di Valparola nach St. Vigil. Das Tolle: wir hatten super Wetter und haben nicht gefroren.

Am Sonntagabend dann ist besonderer Menüabend "Giro d´Italia. Schaut mal, was wir da so gegessen haben....mhhh

Jetzt endlich: wir starten heute am Montag, 29.09.15 die zweitägige Prosecco-Tour! Na, wir sind vielleicht gespannt. Am Abend vorher werden wir schon "eingenordet" und wissen, dass es früh, lausig kalt und nicht ganz einfach wird, denn wir sind ein paar Motorradfahrer, der Spyder-Club und zu dem letzteren gehören auch noch einige Intruder-Fahrer. Daher bekommen wir einen eigenen Guide. Konrad fährt mit den Spyders und unser Voranfahrer kommt aus Italien und fährt eine für uns fürchterlich anmutende Schüssel. Aber: wer weiß? Schon so oft haben wir uns getäuscht, was Fahrer, Motorrad und Können anbelangt. Lieber nur gucken und nichts sagen. Außerdem ist er super-nett.

Unsere einzige Sorge: Hoffentlich spielt das Wetter mit!

Mann, verdammich, ich das kalt. Ganz ehrlich: nach ca. 3 km möchte ich sehr gern wieder umdrehen. Mein Visier beschlägt dermaßen, dass ich nur offen fahren kann und das bei minus 3 - 5 Grad. Die Straßen sind z. T. ein wenig raureifig-glatt und daher fahren wir gesittet den ersten Pass hinauf, werden dann aber schon mutiger. Auf dem Pordoi meinen doch einige, sie fühlten ihre Hände nicht mehr. Ob das denn so richtig sei? Wenn ich jetzt die Fotos so sehe, kann ich mir die Kälte nicht mehr vorstellen. Nun geht´s aber weiter Richtung Süden und da merken wir schon bald, dass es wärmer wird. Nur: Ihr wisst ja, wie lange ein Körper braucht, um wieder warm zu werden. Das kann dauern.

Wir machen uns auf zum Kaiserjägersteig. Ich bin ihn 2010 schon mal mit der Fazer gefahren, aber so richtig erinnern konnte ich mich nicht. Außerdem dachte ich, der Manghen-Pass wäre der schmalste Pass, den ich kenne, aber der hier gibt noch einen drauf. Die Spyder-Fahrer haben Mühe beim Gegenverkehr an manchen Stellen und müssen gut konzentriert sein (was nach einem guten Mittagessen ja nicht so leicht fällt). Es klappt aber alles und wir machen uns weiter auf zum Monte Grappa.

Wir fahren weiter gen Prosecco-Tal und da das Wetter mitspielt und wir eine tolle Aussicht haben werden, fahren wir zum Monte Grappa.

Der Monte Grappa ist mit 1742 (nach anderen Angaben 1775) Metern Höhe einer der höchsten Berge der Vizentiner Alpen.

Auf dem Gipfel errichteten die Faschisten in den 1930er Jahren ein unübersehbares monumentales Denkmal und Ossarium für die dort im Ersten Weltkrieg Gefallenen. In den drei Piaveschlachten kamen auf dem Monte Grappa und den umliegenden Bergen tausende Soldaten ums Leben. Auf dem Monte Grappa ruhen 12.615 italienische und 10.295 österreichische Soldaten.

 

Wir fahren weiter zum Hotel ins Prosecco-Tal. Und zum Duschen, Feinmachen und danach zu einem Festschmaus - natürlich mit Prosecco. Was wir nicht wissen: man trinkt den Prosecco dort zum Essen wie bei uns das Bier oder den Wein. Wasser gibt´s auch, aber sonst nur: Prosecco, Prosecco, Prosecco - allerdings in unterschiedlichen Qualitäten. Und weil der so gut schmeckt, nehmen wir eine Kiste mit. Und weil dort ein Transporter von Konrads Hotel hingefahren kommt, nimmt der die Kisten für uns mit. Dazu gibt es übrigens einen Spießbraten, SPEO, genannt. Es handelt sich um Schweine- oder Hähnchenfleisch und dazwischen Zwiebeln und Knoblauch. Und Kräuter - Rosmarin, Salbei. Als wir ankommen, sind die Spieße seit 8 Stunden über dem Holzfeuer. Gott, ist das lecker gewesen. So viel Fleisch habe ich in meinem ganzen Leben nicht auf einem Mal gegessen. Und ich würd´s wieder tun (obwohl ich hier in Deutschland kaum Fleisch vertilge). Ein gelungener Abend war´s, aber kalt wurde es auch und so sind wir gen Mitternacht im Zimmer und weil wir uns zu Zweit eine Decke teilen müssen, klappt das mit dem Schlafen nicht ganz so gut.

Am nächsten Tag haben wir keine ganz so lange Tour vor uns und man sieht es manchen Fahrern beim Frühstück an, dass die nicht um Mitternacht im Bett gelegen haben. Wir fahren zuerst durch das Tal und durch einen Wald und gelangen später dann zum Passo di San Boldo. Es wird recht schnell Grün und wir überlegen nicht lang und fahren durch. Auch hier war ich bereits mit der Street Triple und hatte die Kehren in den Tunnels nicht so eng in Erinnerung. Und nicht so dunkel. Da hatte ich bei einem richtig Muffensausen und dachte, mein Spiegel bleibt im Felsen hängen. War aber nur so gefühlt. Weiter geht es wieder Richtung Südtirol und noch zum Passo di Giao, wo wir uns gen Mittag stärken. Wir bekommen kaum einen Platz, aber es klappt noch mit der leckeren Suppe. Danach halten wir noch kurz zum Fotoshooting auf einem Halteplatz vom Pass Richtung Hotel und kommen dann gegen 15:30 Uhr in St. Vigil zum Einlaufbier an. Das Wetter: immer noch gut.

Am Mittwoch, den 01.10.15 starten wir doch glatt wieder mit Konrad - wir Zwei und noch zwei neu angereiste Fahrer, die nur vier Tage bleiben wollen. Für vier Tage sind die 500 km angereist. Später weiß ich warum: es sind Kilometerschlucker. Hauptsache Fahren, Fahren, Fahren. Die Landschaft ist egal, die Aussicht ist egal und als wir zu Mittag essen wollen, wird genölt, weil man denkt, die Tour sei schon vorbei. Konrad entschließt sich, mit den beiden noch eine "große Runde" nach dem Essen zu fahren und Karsten und ich setzen uns ab. Das muss nicht sein. Wir genießen die Sonne und fahren gemächlich noch aus der Nähe von Kastelruth ein Stück mit und dann kürzen wir ab nach "Hause" - und gelangen erstmalig überhaupt dort in Südtirol in einen stockenden Verkehr, teilweise Stau. Feierabendverkehr oder sowas? Wir kommen um ca. 15:00 Uhr im Hotel an und beginnen schon mal, ein wenig zusammen zu packen. Morgen ist schließlich unser letzter Tag.

Der letzte Tag des Urlaubs

läutet den Herbst ein. Es ist graupelig und kalt, fängt später immer wieder an zu regnen und wir, die wir ins Tauferer Tal gefahren sind, kehren irgendwann um, weil wir einfach frieren. Wir laufen dann noch in den Ort (St. Vigil) und kaufen Souvenirs wie Schinken, Wurst, Feigensenf, Wein, Käse etc. Dann werden die Bikes aufgeladen und alles verzurrt. Wie das immer so ist. Ist schon Routine. Am nächsten Morgen wollen wir so früh wie möglich los und hoffen, dass das mit der Rückreise gut klappt.

Dann heißt es Abschied nehmen. Selbstverständlich kommen wir wieder. Wann? 2017? Vielleicht. Man weiß ja nie, was so passiert. Ich bin da vorsichtig geworden. Ich habe nämlich immer noch die Hoffnung nicht aufgegeben, dass irgendein Arzt meine Krankheitsursache findet. Bislang habe ich noch kein Glück gehabt und über ein Jahr plagen mich schon die Schmerzen. Fast jeden Tag. Mal mehr, mal etwas weniger. Da kann man schon manchmal die gute Laune verlieren.

Tja...Also - jetzt erstmal "Ciao Italia" und hinein in den deutschen Herbst am Tag der Deutschen Einheit (03.10.15).