Bevor es richtig losgeht, geht schon was...

37 Motorräder werden es sein, die der LKW von GÜTRANS transportieren wird. Nicht in Gitterboxen, abgespeckt mit demontierten Scheiben oder ähnlich...nee, mit Topcases, Tankrucksäcken, Gepäckrollen oder Seesäcken - genau so, wie ich mir das immer gewünscht habe. Du brauchst nur noch Dein ganz normales Gepäck in den Flieger mitnehmen, der am kommenden Donnerstag frühmorgens in Düsseldorf nach Olbia abhebt. Fertig! Wenn Du dann auf Sardinien ankommst, sind die Motorräder bereits abgeladen und stehen für alle fahrbereit. Das Volltanken muss vorher noch beachtet werden.

 

In den Gepäckrollen ist unsere Motorradkleidung nebst Helmen. Die tauschen wir dann 200 m vom Flughafen Olbia entfernt auf einem Parkplatz kurz gegen die Reisekleidung aus.  Der LKW transportiert dann die Koffer aus dem Flugzeug nebst Gepäckrollen zum Hotel, so dass wir nur mit Tankrucksäcken fahren müssen. Genial, oder?

 

Dann rauf auf´s Bike und ca. 200 km zum Hotel die vom Guide Günter ausgearbeitete Strecke als erste Ausfahrt absolvieren. Übrigens: die 48 Motorräder befinden sich selbstverständlich nicht in EINER Gruppe, nein, nein. Unsere Gruppe besteht aus 12 Motorrädern nebst Fahrern und 4 Sozias, also 16 Leute inkl. Guide. Das ist eine ganz gute Größe. 3 Fahrer allein kommen schon aus unserer Familie: Karsten - mein Mann, Lukas - mein Sohn und Bee - das bin ich - und nun doch nicht als Mitfahrerin, sondern mit eigenem Bike! Das hätte ich im November/Dezember niemals gedacht. Ich freue mich wie Bolle. Nun hier ein paar Fotos:

Wir starten in der Nacht zum 21. Mai 2015

Endlich geht es los: Als bei uns nachts um kurz vor 1:00 Uhr der Wecker klingelt, haben wir natürlich kaum geschlafen. Trotzdem sind wir recht schnell fit und haben in kürzester Zeit im Auto Platz genommen, um zu Günter zu fahren, der uns freundlicherweise mit seinem Transporter mit zum Flughafen nach Düsseldorf nimmt. Es ist ziemlich kalt draußen und ich bin froh, noch schnell meine Windstopper-Jacke und meinen Buff gegriffen zu haben.

Um kurz nach  2:00 Uhr sind wir bei Günter. Seine Frau liegt schon eingekuschelt auf der Rückbank und Lukas und ich setzen uns hinten dazu. Karsten nimmt vorn Platz. In Düsseldorf wird Günter der Schlüssel für sein Auto abgenommen und dieser wird dann auf einen Parkplatz gefahren. Uns holt ein Bus ab, der uns in den Flughafen kutschiert. Wir haben nur unser normales Gepäck zu tragen. Als Handgebäck habe ich ein Tail-Bag, Lukas seinen Tankrucksack und Karsten hat einen normalen Rucksack. Das geht ganz gut.


Im Flughafengebäude treffen wir etwas später  auch auf die anderen aus unserer Gruppe, die wir ja bereits kennen gelernt haben. Dann sind da noch auffällige Typen in Motorradstiefeln und Ducati-Jacken oder mit einem Helm in der Hand. Das müssen die anderen Mitfahrer sein, die nicht in unserer Gruppe sind. Heidrun, die Reiseleiterin von 123-Motorradreisen kommt auch und gibt uns allen die Hand. Schön, sie persönlich kennen zu lernen. Ich bedanke mich noch einmal, dass mein Motorrad doch noch mitgenommen werden konnte.


Dann geht´s endlich um kurz vor 6:00 Uhr ins Flugzeug (Air Berlin) und nach 1:50 h sind wir in Olbia am Flughafen angekommen. Das Gepäck abzuholen geht recht flott. Dann raus aus dem Flughafen und immer hinter denen her, die sich auskennen. Ganz ehrlich? Das war der beschwerlichste Teil der gesamten Reise: mit den Koffern bei sehr starkem Wind ca. 600 m laufen bis zum LKW!


Und da stehen sie: 37 Motorräder mit jeweiligen Taschen, Rollen etc. und warten auf uns. Schnell geben wir unser Gepäck beim Karl-Heinz von GÜTRANS ab und reißen die Taschen mit den Motorradklamotten auf als gäb´s kein Morgen mehr. Da ist doch glatt einer, der hat schon alles an und steckt schon den Schlüssel ins Zündschloss!  Ich muss mich ein wenig beruhigen, denn zu viel Hast macht doch etwas kopflos. Also langsam anziehen, überlegen, was ich mitnehme im Tail - Bag und was ich dem Truck anvertraue. Die Wertsachen verstauen in der Jacke, dann den Schlüssel suchen. Hab´ihn. Nun alle anderen Sachen wieder zurück in meine Rolle und auch wieder abgeben. Dann bin ich fertig und siehe da: meine beiden Männer auch! Super.

Wir stellen uns im Kreis auf und bekommen die erste Ansage "Schön, dass Ihr alle dabei sein. Nochmals ein herzliches Willkommen. Wir fahren gleich die erste Tour. Ich hoffe, es haben alle getankt. Es geht los Richtung Murta Maria, Porto San Paolo, Monte Petrosu bis nach Suarreda und dann nach San Teodoro. So nach 100 km machen wir dann mal eine Pause und trinken was. Seid Ihr alle soweit? Dann bitte wie besprochen in der Gruppe fahren".

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Tour 1 von Olbia nach Arbatax zum Hotel Club Saraceno
Ich habe mir erlaubt, die Karte von "Biker Betten" zu verwenden. Die von uns gefahrene Tour ist die knallrote. Ich hoffe, sie ist erkennbar.
Tour 1 - 21.05.15 vom Flughafen Olbia na
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Tour 1 :  21.05.15 - Von Olbia (Flughafen) nach Arbatax: 213 km

Wir sind insgesamt 18 Personen, 13 Motorräder mit Fahrern, fünf Sozias. Leider fährt Karin nicht selbst, sie hat für ein anderes Motorrad Platz gemacht. Ich fahre wieder mal (ha ha) als einzige Frau. Nun müssen wir uns erst einmal fahrerisch kennen lernen. Wie Karsten und Lukas fahren weiß ich ja, wie Günter und ein paar andere aus der Gruppe fahren, weiß ich auch noch, aber es ist trotzdem über die ersten 50 km ein spannendes Hin- und Hergegleite auf dem Weg zur richtigen Position. Überholen in der Gruppe ist strengstens untersagt und so muss ich schauen, wer vor und hinter mir ist und bezogen auf das Hin- und Hergleiten: das versetzte Fahren klappt leider nicht so wirklich. Darum muss ich oft von rechts nach links. Der Wind ist ganz schön heftig und da, wo freies Gelände ist, drückt er ordentlich von der Seite. Gut, dass ich eine Scheibe habe. Auf meinem vorherigen Motorrad hätte ich mich mehr dagegenstemmen müssen. So nach etwas über 100 km macht Günter eine Trinkpause. Wir sind um 9:15 Uhr gestartet und um kurz vor 11:00 Uhr sind wir bei schon wärmeren Temperaturen auf der SS125 an der Küste entlang bei einem ersten Capuccino angelangt. Die SS sind übrigens Staatsstraßen, gut ausgebaut und die SP sind "Strada Provinziales" - Provinzstraßen, die oft schmaler und viel kurviger sind.

Unsere gesamte "Flotte". Die Sarden kennen das allerdings schon.
Unsere gesamte "Flotte". Die Sarden kennen das allerdings schon.

Nun biegen wir in San Teodoro auf die SP1 ab, die sich die Küste entlang schlängelt. Wir kommen nach Agrustos und Malamuri. Wir fahren erneut auf die SS125 nach Budoni, Posada, Siniscola. Hier biegen wir ab in die Berge auf die SP3 bis nach Gramsci in Richtung Küste, weiter auf der SP38 Richtung Dorgali. Auf der Viale Colombo machen wir Pause an einem Eiscafé, in dem ein Baum durch das Dach wächst. Wir genehmigen uns ein leckeres Gelato und fahren dann weiter nach Baumei, durch Lotzorai (wieder SS125) nach Tortoli und nach Arbatax. Reine Fahrzeit: 3:33 h.

Im Hotel Club Saraceno angekommen (ca. 17:00 Uhr) haben wir alle vorher noch getankt und trauen unseren Augen kaum: Soooo viele Motorräder. In mehreren "Etagen" wird hier geparkt. Autos sind nicht in Sicht. Wir schätzen auf den ersten Blick, dass es über 100 Motorräder sind. Und es seien noch lange nicht alle da, heißt es dann. Wir sind es aber und wir sind auch müde, hungrig und etwas kaputt. Trotzdem war es eine super Tour. Wenn ich jede Kurve beschreiben müsste, käme ich aus dem Erzählen tagelang nicht heraus. Einfach grandios, das Fahren hier auf Sardinien. Ich wage mal zu behaupten, dass es sowas nicht so oft auf dieser Welt gibt. Einzigartige Kurven, fast leere Straßen ohne Gegenverkehr in den Bergen, toller Grip, sensationelle Ausblicke und eine abwechselungsreiche Landschaft. Und Temperaturen, die - zumindest zu unserer Zeit - sehr gut erträglich sind. Nur zu empfehlen!!! Ach ja, der Asphalt der einen Bergstraße, der hat mir doch etwas Probleme gemacht. Fühlte sich an wie loser Rollsplitt auf bröckeliger Fahrbahn. "Das wird völlig überbewertet" meint Karin und ich nehme dann mit Karsten den Bezug unseres Zimmers in Angriff. Das geht schneller als wir denken und schwupp können wir duschen und uns weiter die Anlage ansehen. Eine Vier-Sterne-Hotelanlage, die gar nicht wie ein Hotel wirkt, weil es in Terrassen angelegte Häuschen sind. Wir haben ganz großes Glück, denn wir haben zwei Schlafzimmer mit insgesamt 5 Betten. Also genügend Ablage für die diversen Motorradklamotten. Klasse! Und zwei Schränke! Um 20:00 Uhr gibt es Abendessen, bis dahin muss der Magen noch durchhalten. Mit einem Weizenbier wird das wohl klappen.

Und danach knipse ich dann noch ein paar Abendimpressionen des Hotels und des Strandes.

Tag 2 : 22.05.15 - Rund um Arbatax  / Kleine Tour mit 125 km Länge

Wir sind nun alle doch etwas kaputt von der Nacht und des Tag davor und damit wir das Hotel auskosten und uns auch ein wenig aus-ruhen können, gibt es heute "nur" ein kurze Tour von 125 km. Das ist für uns alle okay, bis auf Lukas, der - wahrscheinlich auch aufgrund seiner Jugend - noch viel mehr leisten könnte. Aber auch er nimmt sich nach der Tour eine Mütze Schlaf, schaut ein wenig fern und ist dann abends guter Hoffnung, dass es am darauffolgenden Tag an Kilometern um einiges mehr wird. Doch nun erstmal zu heute, dem Freitag.


Wir beginnen den Tag um 8:00 Uhr mit einem ausgiebigen Frühstück unter freiem Himmel auf der Dachterrasse des Hotels.

Tour 2 - Rund um Arbatax / Heute ist es die knallgrüne Tour!
Tour 2 - Rund um Arbatax / Heute ist es die knallgrüne Tour!

Wir fahren wieder auf der SS125 gen Lotzorai und dann auf die SP63 zu einem Hafenstädtchen (Santa Maria Navarese). Da sind wir bereits auf der SP63 und bleiben dort auch bis wir wieder auf die SS125 treffen und uns Richtung Baunei halten. Danach biegen wir auf die SP37 nach Urzulei ab und fahren weiter Richtung Talana - Villa Grande Strisaili - auf der SP27 nach Arzana - Praidas.

Auf diesen Bergstrecken ereilt uns das Enduro-Feeling und bis auf ein kleines Stück durch etwas Wasser habe ich es auch geschafft. Die Straße ist bei Günter auf dem Navi als weiße Straße eingezeichnet, ist aber doch eher eine Abenteuerstrecke. Wir fahren  sie dann aber bis zuende und  können sie dann auch wieder - ohne Umkehren - verlassen. 

Auf der SS390 geht  es nach Loceri weiter bis Baris Sardo. Auf der SS125 fahren wir dann zurück nach Tortoli und Arbatax zum Hotel.

Tag 3: 23.05.15 - Auf der Straße nach Süden.../ 347 km

Heute ist ganz viel auf einmal: die längste Tour, unser 9. Hochzeitstag (wie die Zeit vergeht!) und früher aufstehen als sonst, weil wir um 9:00 Uhr schon los wollen. Himmalaya! Wir sind sofort um 7:45 Uhr beim Frühstück und bummeln nicht ´rum. Günter ist immer sehr pünktlich und wartet nicht gern. Höchstens fünf Minuten. Dann fährt er. Sagt man. Also, was gibt es heute? Wir fahren bis zur und an der Costa Rei entlang. In die südliche Spitze von Sardinien. Ob´s da wohl anders aussieht? Schau´n wir mal.

Selbst der Strand sieht wie herausgeputzt aus. Alle Liegen und Sonnenschirme in Reih und Glied
Selbst der Strand sieht wie herausgeputzt aus. Alle Liegen und Sonnenschirme in Reih und Glied
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Ab in den Süden / die heutige Tour ist violett - oder lila wie der Farb-Baunause sagt
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Auf der SS125 geht es vorerst Richtung Süden, an Bari Sardo vorbei auf die Autobahn (VAR) sowie an Tertenia. Dann wird die Autobahn zur SS125 und wir fahren Richtung Quierra und biegen dann auf die SP99 ab. Nach einer Weile fahren wir durch  engere, ruhige Straßen und gelangen zu einem kleinen Hafen, ganz idyllisch. Dort steuern wir einen Parkplatz einer Bar an, auf der man auf einer hochgelegenen Terrasse sitzen und etwas trinken kann. Erste Pause also. Um 9:40 Uhr. Auch gut.

Und dies ist das Pizzeria-Café, auf dem ein Einheimischer mit einem Fleecshirt mit dem Aufdruck "Ski-Trainer" sitzt
Und dies ist das Pizzeria-Café, auf dem ein Einheimischer mit einem Fleecshirt mit dem Aufdruck "Ski-Trainer" sitzt

Eine weitere Stunde später sind wir, nachdem wir Richtung Villaputzu und durch Muravera gefahren sind (auf der SS125) bei den Flamingos angelangt. Durch einen kleinen Abstecher an diesen schönen See können wir diese seltenen Vögel anschauen.

Kurz nach dem Flamingosee biegen wir ab auf die SP20 Richtung Küste. Hier fängt eine Art Schotterpiste an. Wir bleiben auf der SP20 und halten für eine einmalig schöne Aussicht. Danach erreichen wir wieder eine befestigte Straße, die SP97. Wir fahren durch den Ort Costa Rei und verlassen die SP97 wieder, bleiben aber an der Küste und fahren auf die SP18 durch den Ort Villasimius. Dann auf der SP17 die Küste entlang durch mehrere Orte: Solanas, Torre delle Stelle, Geremeas, Capitana, St. Andrea. Wir gelangen wieder auf die S125 und fahren Richtung Norden, biegen ab auf die SP21 für den Ort Bursei, in dem wir eine Pause machen. Bis hierher sind es 155 km und reine Fahrzeit 2:28 h.

Es ist hier im Süden recht warm. Heiß noch nicht, aber ich fange an, langsam das Zwiebel-Prinzip meiner Kleidung auszunutzen und die Windstopper-Jacke auszuziehen und nur im Shirt unter der Jacke zu fahren. Das liest sich vielleicht komisch, denn wenn man an Sardinien denkt, denkt man an Wärme. Als wir hier ankamen, war aber gerade ein Wettereinbruch, genau wie bei uns in Deutschland, passiert. Von einer auf die andere Nacht wurde es 10 Grad kälter. Unten in den Tälern oder am Hotel kann man es tagsüber sehr gut in der Sonne bei 25 Grad aushalten. In den Bergen aber ist es weitaus kälter und der Wind bläst häufig ordentlich unter die Jacke. Heute haben wir - aufgrund es frühen Aufbruchs - zuerst einmal kühle Luft gehabt, dann im Süden wird es wärmer, später soll es noch stürmisch werden, dann regnen und zuletzt, auf dem "Monument Valley" von Sardinien kriecht uns die Kälte bis auf die Haut. An diesem Tag haben wir alle Jahreszeiten in einem gehabt. Vielleicht solltet Ihr das berücksichtigen, wenn Ihr nach Sardinien wollt: nicht nur dünne Kleidung einpacken!

 

Auf unserem Weg Richtung Norden zum Hotel jagt Günter uns über die Berge. Wir fahren von der SS125 ab auf die SS387 und dann vor Ballao  auf die SP22, die zur SP13 wird. Wir passieren Escalaplano und Perdasdefugo und gelangen nach Jerzu. Beim Fahren kommt so eine "Endzeit-Stimmung" auf: Der Himmel verdunkelt sich, der Wind gibt kurze Stöße von der Seite und der Regen meint, er müsste sich als Sprinkleranlage betätigen. Die Temperaturen sinken, je höher wir fahren. Im Gegensatz zu heute Morgen ist das Winter! Aber wir werden entschädigt, denn oben angelangt kommen wir uns vor wie in einer anderen Welt: einsame, grandiose Aussicht, kein Regen mehr, erfrischende Kühle und einmalige Natur. Die Fahrt war wieder äußerst kurvenreich. Müde wird beim Fahren hier niemand, so sehr ist man konzentriert, versucht, jede Kurve zu berechnen, gut zu nehmen und vielleicht noch etwas schräger zu fahren??? Das Adrenalin tritt vermehrt ins Blut und lässt erst beim Abstieg das Gefühl zu, doch etwas kaputt zu sein, Hunger zu haben oder Durst löschen zu müssen. Während der Fahrt ist einfach nur Fahren angesagt. Das hatte ich persönlich vorher noch nie so empfunden und ich bin total glücklich, dass ich mein Bike dabei habe und das erfahren kann.

Kurz vor Ullazei gelangen wir UF Die Sp11, weiter nach Tortoli und zum Hotel nach Arbatax.

Das "Monument Valley" Sardiniens
Das "Monument Valley" Sardiniens

Tag 4 : 24.05.15 - Wir statten dem ehem. "Banditennest" Orgosolo einen Besuch ab -      303 km

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Auf der alten Passstraße nach Orgosolo zu den Murales
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Heute wird es wieder "einen Tuck" wärmer, aber noch nicht so arg, dass wir stöhnen, nein, nein. Wir freuen uns, dass das Wetter es gut mit uns meint und wollen heute ein wenig Kultur walten lassen. Nach dem ausgiebigen Frühstück passen wir merkwürdigerweise immer noch in unsere 10 Jahre alten Lederhosen und steigen auf die Moppeds. Wir fahren zuerst einmal tanken und merken: es sind heute schon einige Motorradfahrer - in Gruppen - unterwegs. Das verliert sich dann aber ganz schnell, als wir ein wenig gefahren sind und nach einigen Kilometern um kurz vor 10 Uhr die alte Passstraße einnehmen, die uns das Gefühl gibt, allein auf der Welt zu sein. Allein mit einer tollen Umgebung, blühender Natur und - dem Bedürfnis, mal abzusteigen und ein paar lustige Andenkenfotos zu schießen, nach dem Motto: Wir waren auch mal hier!

Nach einer tollen Kurverei durch die Berglandschaft des Supramonte, 18 km durch dichte Macchia, Weinberge und Olivenhaine  (es geht bei mir immer besser mit der Fahrerei, d. h. ich habe mich schon gut an mein neues Bike gewöhnt) erreichen wir das ehemalige "Banditennest" Orgosolo. Diese vielfach gewundene Straße wurde erst Ende der 1990er Jahre asphaltiert. Vorher hatten die Insel- und die Staatsregierung kein Interesse daran, diese Gegend zu erschließen. Hier sind einige Leute unterwegs, denn hier gibt es was zu gucken! Wir gehen durch die Straßen (das ist jetzt in der Lederhose doch ganz schön warm) und schauen uns die "Murales" an. Murales klingt für mich erstmal wie "Moral". Was hat es damit auf sich? Und warum "Banditennest"?

Orgosolo hat heute 4500 Einwohner und war einst als Zentrum von Aufrührern und Banditen berüchtigt. Die Hauswände wirken wie ein gemeinschaftliches Gemälde, das jemand immer weiter fortgeführt hat. Alle Szenarien sind zu entdecken: ob es Bilder sind, die Kriege, Armut, Lärm oder die Landwirtschaft betreffen - alle sind sie nach dem Vorbild der lateinamerikanischen Revolutionsmalereien gemalt und prangern politische wie soziale Missstände an. Es kommt unser Herr Schröder vor (der, der nie ergraut) und auch den Namen von Helmut Kohl kann man lesen. Aber auch die Probleme der Sarden selbst wie Wasserknappheit, Abwanderung oder Bevormundung durch die italienische Regierung kommen zu Pinsel und Farbe.

Es mutet etwas eigenartig an, durch diese Stadt zu spazieren, sieht man kaum ein fröhliches Bild. Die Malereien sind manchmal recht abstrakt und dann auch wieder so echt, dass man denkt, dort sitzen wirklich Bauer und Bäuerin auf einer Bank...


Wir bestellen uns nach unserem Rundgang ein kühles Getränk und fahren dann langsam durch die engen Straßen weiter Richtung Fonni. Natürlich wieder über die kurvigen Bergstraßen. Wir erreichen gegen 13:30 Uhr ein Städtchen, das sehr ärmlich wirkt und eine anstrengende Verkehrsführung aufweist. Die Straßen sind wirklich sehr eng, überall, Kreuzungen, die schon fast wie Kreisel wirken, nur, dass man die Straßen kaum einsehen kann, da überall Häuserwände den Blick versperren. Hier ist aber ein kleines, offenes Café und was können die Italiener besser als Café zubereiten? Eis zubereiten. Okay, wir nehmen beides. Wir parken in einer engen Gasse direkt an einem Geländer hintereinander. Nur Lukas, der keinen Platz mehr findet, parkt sensationell vor einem Hauseingang. Drüber ist auch ein Gemälde positioniert und es sieht aus, als ob die beiden alten Leute direkt auf das Motorrad schauen und sich darüber unterhalten.

Zurück geht es wieder über eine wunderschöne Bergstrecke, wir passieren die Villagrande Strisali, kommen zurück nach Tortoli und zu unserem Hotel. Es ist kurz nach 18:00 Uhr. Heute gab es keinen Regen, keinen Wind, nur gutes Wetter und gute Laune. So freuen wir uns auf das Abendessen und das Einlaufbier. Vielleicht ist auch wieder die tolle Sängerin draußen am Klavier, die so tolle Songs nachsingt? Ja, sie ist wieder da. Der Abend wird gut.

Tag 5: 25.05.15 - Die Männer fahren nach Gairo und ich gönne mir einen Strandtag

Heute meine ich, müsste ich mal eine Pause einlegen. Schließlich habe ich ja Urlaub. Und wenn das Wetter schon mal sonnig und nicht allzu heiß ist und die Liegen am Strand umsonst, warum soll ich da nicht mal etwas lesen, chillen, ein Schläfchen halten - vielleicht sogar schwimmen? Ich gebe dem Lukas meine Tiger und habe keinerlei Furcht, dem Jungen oder dem Motorrad könnte was passieren. Naja, vielleicht durch fremde Einwirkung? Will´s mal nicht hoffen.

Ich gebe die Tour so gut ich kann, trotzdem hier wieder. Es waren 179 km und sie führte nach Gairo, der "vergessenen Stadt".

Wieso vergessen? Gairo Vecchio ist ein Geisterdorf. Es zeugt noch heute von einzigartiger sardischer Bauweise und Architektur. Zumindest das, was von den Häusern und Bauten noch steht. Der Ort liegt an einem Hang und zeugt von inseleigener Architektur. Aber kein Krieg und keine Epidemie hat die Menschen veranlasst, das Dorf zu verlassen. Es war das Jahr 1951, als nach einer langen Trockenheit starke Wolkenbrüche die Menschen zwang, ihre Behausungen zu verlassen. Vorher hatten Regenfälle schon häufiger starke Überschwemmungen verursacht. So haben die Bewohner weiter oben am Berg und unten an der Küste ihre neuen Dörfer gebaut. Sie kehrten nicht zurück. Aber der Drang, diese Stadt Gairo zu besuchen, ist ungebrochen.

Nun begeben sich die Biker in Richtung Seui in die Provinz Oligastra, passieren wunderschöne Wiesen, auf denen auch manchmal wunderschöne Pferde grasen. Sie sind auf dem Weg zur Nuraghe d´Ardasai. Nuraghen sind prähistorische und frühgeschichtliche Turmbauten. Diese Nuraghe steht auf einem Felsvorsprung und hinter ihr liegen die Rest eines nuraghischen Hüttendorfes.

Die Nuraghe besaß ursprünglich eine Reihe von Ebenen und einem zentralen Turm. Sie ist von einer Mauer umgeben. Eine Treppe führte ursprünglich nach oben, wurde aber durch Erdrutsche blockiert, so dass nur noch das Erdgeschoss. Die ersten sardischen Nuraghen wurden von 1600 - 400 v. Chr. erbaut.

Ich habe mir sagen lassen, dass eine der Bergstrecken ganz drei Mal absolviert wurde, bis man die richtige Abzweigung fand und am Stausee vorbei Richtung Arzana gelangte. Von dort dann auch wieder zurück nach Tortoli und zum Hotel.

Ich hatte einen erholsamen Tag gehabt, mich dann aber ab 16:00 Uhr begonnen, zu langweilen. Nichtstun ist ja nicht wirklich etwas für mich. Und da fand ich es natürlich klasse, als unsere Bikergruppe schon bald wieder das Hotel stürmte. Am nächsten Tag wollte ich dann doch lieber wieder fahren. Meine kleine Tiger kam übrigens wohlbehalten wieder. Nur hat man Lukas ziemlich bald nahegelegt, die Abstandhalter unter den Fußrasten abzubauen, da sie ständig und in fast jeder Kurve so ein schleifendes, quietschendes Geräusch von sich gaben. Den Ratschlag hatte er befolgt, keinen Millimeter Rand mehr am Reifen gelassen und für mich natürlich die Dinger wieder angebaut....

Tag 6 : 26.05.15 - Wir fahren mit fast schottischem Feeling und dann versagt meine Kamera

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Der Tag, an dem nicht alles glatt läuft, wir Käse und Wurst kaufen, 249 km fahren und die Kamera streikt
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Im Grunde ist es eine super Tour, die wir als letzte Tour hier im Osten Sardiniens hinlegen. Aber leider hat meine Kamera gemeint, sie müsse nur vier Bilder knipsen und dann sagen: Es ist ein Fehler aufgetreten.

Tja, Technik, die enttäuscht. Die Speicherkarte ist noch lange nicht voll, der Akku gerade aufgeladen. Was nun?

Es beginnt mit einem Feeling wie in Schottland mit einer Fahrt um einen See voller Fische auf einer Single-Track-Road, bewaldet, überall Korkeichen und andere Bäume. Dann geht es weiter über eine Bergstrecke - fast wie nach Orgosolo - an einer Nuraghe vorbei und in ein kleines Städtchen, wo wir ein paar Leute verlieren. Darunter auch Karsten. Die bekommen wir dann aber nach einiger Zeit wieder zu Gesicht, denn wir machen Pause an einem kleinen Bistro und kaufen ein Sardegna-T-shirt für 10 Euro. Die älteste Pinie Sardiniens wollen wir aufsuchen und finden sie auch - nach einigem Gekurve und Gedrehe. Sie wird bewacht von einem Mann, der sein Business gefunden hat: Eintritt nehmen für das Sichten eines Baumes, den man mal einfach so 4000 Jahre alt schreibt. Ich weiß garnicht, ob einer von uns den Eintritt bezahlt hat. Wir jedenfalls nicht. Dann sehen wir einen Hinweis auf einen Käse- und Wurstverkauf aus eigener Herstellung auf einem Bauernhof und fahren hin. Es wird probiert und gekauft. Lecker! Ganz anderer Geschmack als man den Touristen beim Frühstück serviert. Ist ja auch normal, wer mag schon Käse, der zwei Berge weiter noch zu riechen ist? Die meisten wohl nicht. Wir passieren wieder einen Stausee, haben dieses Mal langgezogene Kurven dabei und beschließen nach 249 km die Tour mit einem tollen Abendessen im Hotel. Vorher haben wir natürlich schon unsere Koffer/Taschen gepackt. Am nächsten Tag müssen wir diesen schönen Ort verlassen.

Tag 7 : 27.05.15 - Hotelwechsel - wir fahren nach Olbia und werden pudelpitschnass!

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269 km von Arbatax nach Arzachena - im zweiten Teil dann mit Regensegen von oben
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Heute geht es auch wieder etwas eher aus den Federn zum Frühstück, denn wir müssen unser Gepäck abgeben und auch die Rolle mit den Motorradsachen muss mit auf den LKW. Das gelingt uns auch ganz ordentlich und Günter beschließt, dass wir uns gebührend von Arbatax verabschieden und zum "Roten Felsen" fahren, um dort ein Gruppenfoto zum knipsen. Dies habe ich hier nicht veröffentlicht, da ich nicht weißt, ob alle damit einverstanden gewesen wären. Den roten Felsen aber habe ich auf meinen Chip gebannt.

Danach geht es Richtung Dorgali weiter. Wir machen eine Trinkpause, denn es ist ordentlich war. Man hat Regen vorausgesagt. Gegen Mittag. Wir hoffen, wir kommen ohne davon. Von Dorgali aus geht es Richtung Oliena und was auf der Karte wie eine recht gerade Strecke wirkt, ist es wirklich nicht. Daher noch das Foto anderer Motorradfahrer, die um die Ecke wirbeln, als wir Pause machen. Die Wegstrecke ist toll. Das Wetter hält sich und wir kommen in Buddoso an. Dort halten wir uns für den Geschmack von Eberhard zu lange auf, denn der wittert schon den Regen. Ist aber zu nett, das kleine Restaurant mit Table-Dance-Stange oder Table-Dancer/innen. Aber es gibt lecker Eis, Getränke, kleine Snacks und draußen einen netten Platz zum Sitzen.

Wir besuchen die Nuraghe in Loelle bei Buddoso mit zwei in der Nähe liegenden Gigantengräbern, die Tomba di Gigante di Loelle. Um die Nuraghe erstreckte sich eine große Siedlung aus Rundhütten. Die Nuraghe wurde erst in den 1990er Jahren ausgegraben.

Der Regen kommt dann auch. Und wie! Zuerst fahren wir noch einigermaßen ruhig weiter. Dann halten wir, da wir es vorziehen, Regenbekleidung überzuziehen. Leider habe ich Schussel nur meine Regenjacke und noch eine Innenjacke sowie ein weiteres Paar Handschuhe eingesteckt. Zu blöd. Lukas hat GARNICHTS mitgenommen und ist im Nu völlig durch. Bis auf die Haut. Wir müssen aber noch über 100 km absolvieren. Als es ganz übel wird, steuern wir ein kleines Restaurant in einem Ort an. Auf die Idee sind die anderen Biker aus den Gruppen von Heidrun Jordan-Maier auch gekommen. Nun stehen wir dort und dampfen unter dem Unterstand vor uns hin. Ein Korklaster kommt und hält auch. Die Korkrinde liegt halbwegs lose auf dem Anhänger und riecht ganz verlockend. Der Fahrer ruft mir zu, ich könne ruhig etwas mitnehmen. Mache ich auch. Dann entscheidet Günter, dass wir weiter fahren. Es geht los und er entscheidet sich für den Weg über die Autobahn. Der ist zwar langweilig, aber bei strömenden Regen macht keine Tour wirklich Spaß. Bis hierher war´s klasse und was nun kommt, ist triste Fahrt hinter LKW´s und Wasser, Wasser, Wasser. Als wir kurz vor unserem Hotel sind, hört es auf zu regnen. Die letzten Kurven sind wieder richtig toll, aber leider klebt das Zeug nur so an den Beinen. Meine Lederhose fühlt sich völlig merkwürdig an. Sie war noch nie zuvor nass geworden. Auf dem Parkplatz angekommen, kippt eine Sozia ihre Stiefel aus. Wahre Wasserfluten ergießen sich auf den Platz! Oha. Nun hängen wir die Sachen erstmal auf, duschen warm und erkunden die Umgebung. Unser Zimmer liegt dieses Mal sehr schattig. Dafür hat Lukas ein ganz schönes Zimmer mit Balkon bekommen. Er ist so nass geworden, dass er Zweifel daran hat, dass am nächsten Tag die Klamotten trocken sind. Also föhnt er seine Stiefel und seine Jacke. Wir sehen uns beim Essen und sind schon wieder gut drauf. Am nächsten Tag ist bestes Wetter geplant. Hotel Airone ist ein nettes Hotel mit Swimming Pool ohne Zugang zu einem Strand, dafür aber recht ruhig. Wir genießen den Abend und das Sitzen am großen Tisch. Dieses mal gibt es kein Buffet, sondern wir werden mit einem Menü bedient.

Tag 8: 28.05.15 - Wir erfahren die Umgebung und machen auf "Kultur" - 120 km

Nun sind wir oben im Norden der Insel, das Wetter ist super - es wird täglich wärmer und die Landschaft unterscheidet sich doch von der, durch die wir vorher gefahren sind. Hier gibt es nicht so viele Berge und daher auch nicht ganz so viele Kurven. Aber heute ist das auch egal, denn wir wollen die Umgebung erkunden und uns Dinge wie Capo Testa und Capo d´Orso ansehen. Zum letzteren fahren wir zuerst. 

Nicht weit vom Hotel gelegen, in der Bucht Porto Puddu sind vor allem die markanten Felsformationen entlang der Küste sehenswert. So auch am Cap d`Orso, 5 km entfernt vom attraktiven Hafenort Palau. Wind und Wetter haben hier die Felsen zu gewaltigen Formen geschliffen. Man sieht Bären, Elefanten und auch Fantasietiere. Je nachdem, von wo aus man schaut. Wir parken unten auf dem Parkplatz und zahlen eine kleine Parkgebühr an einen Herrn auf einem Campingstuhl. Ob er dazu befugt ist, weiß kein Mensch. Dann müssen wir ein wenig Treppen steigen und klettern, bis wir bei den grandiosen Felsen sind. Und haben eine einmalige Aussicht!

Nun geht es direkt straight zum Capo Testa, der äußersten Nord-West-Spitze. Vorbei an einer Feriensiedlung bemerkt man bereits während der Fahrt, dass wir gleich in ein Ausflugsziel und Besuchermagnet kommen. Die halbrunde Sandbucht im Norden und der Spiaggia Colba im Süden bilden ein Paradies für Surfer. Das Kap verbindet ein natürlicher Damm, der wenige hundert Meter lang ist, mit der Hauptinsel. Rechts und links locken schmale Sandstrände, die zu den schönsten Sardiniens gehören. Die Halbinsel selbst ist - wie kann es anders sein - berühmt durch ihre bizarren Felslandschaften entlang der Küste. Man findet hier Gezacktes, Sanftes, Rundes, von den Wellen Abgeschliffenes. In den letzten Jahren gab es hier einen Bauboom, der der Beliebtheit zwar nicht geschadet hat, trotzdem dem Capo Testa nicht immer nur gutgetan hat.

Nach einer kurzen Wanderung gibt es noch eine kleine Runde am Lago di Liscia vorbei und wir sind recht frühzeitig wieder am Hotel. Für heute soll es gut gewesen sein, denn einige haben noch nicht ganz getrocknete Klamotten oder klamme Stiefel, so dass der schöne Tag am Pool und zum Trocknen der Sachen genutzt werden kann. Morgen soll es dann ein wenig mehr Fahrspaß geben.

Tag 9 : 29.05.15 - Abschiedstour zu einem Gigantengrab und einem Künstlerdorf

Heute bleiben wir im Nordosten der Insel und passieren unsere Abschiedstour bei recht hohen Temperaturen (28/29 Grad). Da mag man schon nicht so gern stehen bleiben an Kreuzungen, Ampeln usw. Auch möchte im Grunde niemand zum Gigantengrab, aber wir fahren trotzdem hin, denn das bei Buddoso haben wir uns nicht angesehen, sondern nur gestreift. Hier aber zahlen wir den Eintritt und gehen zum "Tomba di Giganti Coddu Vecchiu". Dieses Gigantengrab gehört zu den älteren Varianten, da es eine Portalstele hat und zweiphasig erbaut wurde. Zuerst baute man eine Art Kiste. Dann wurde eine Stele davor gesetzt und eine bogenförmige Reihe aufgestellter, senkrechter Tafeln.  Gehalten wird das Ganze durch eine gewölbte, dahinter liegende Mauer aus mittelformatigen Steinen. Die "Galerie" dieses Grabes ist 10 m lang, d. h. eines der kleineren Gigantengräber und ca. 3,5 - 4 m breit. Eine rechteckige Kammer, die innen aus Granitblöcken besteht und deren Decke durch Sturztafeln abgefangen wird. Hierin wurden nicht nur die Verstorbenen untergebracht, sondern auch wertvolle Dinge wie Pfannen, Kochtöpfe, Teller, Vasen und andere Artefakte. Leider wurden diese fast sämtlichst gestohlen.

Wir fahren weiter zum Künstler- und Bergdorf San Pantaleo, das liegt  etwa drei Kilometer von Arzachena entfernt. Wenn man direkt dort hinfahren würde.   Charakteristisch für dieses Dorf sind die kleinen, flachen Häuser der Altstadt, die an die „Stazzi“ (sardische Steinhäuser) der Gallura-Hirten erinnern. Sie sind erstaunlich intakt geblieben und um eine begrünte, rechteckige Piazza aus dem typischen grau-weißen Granit der Gallura angelegt. Hier steht auch die Pfarrkirche von San Pantaleo. Ihr Glockenspiel ist sehr eindrucksvoll und duldet keine Widerrede.  Gegenüber der Pfarrkirche gibt es ein Café und nach einem Rundgang durch die "Gemeinde" lassen wir uns dort nieder, um einen Cappu zu trinken. Heute ist nun wirklich der wärmste Tag unseres Aufenthaltes und jeder ist froh, ein wenig Schatten zu finden. Gut, dass es die vergangenen Tage nicht so heiß war.

Wir verabschieden uns - ich nehme ein schönes Tuch als Andenken mit - von dem kleinen, interessanten Fleckchen Erde - und fahren wieder eine Kilometer zu einem Hafen nach Cappricioli an der Costa Smeralda. Dort kann man einige kostspielige Yachten bewundern, auch die etwas teureren Autos findet man hier und auch sonst wirkt dieser Ort wie der "Flecken für Millionäre". Da wir nur kurz hier durchsausen, andere unserer Gruppe aber Fotos schießen wollen, verlieren wir uns aus den Augen und es kommt nur ein Teil der Gruppe in Porto Piccolo an der Baia Sardinia an. Dort stellen wir die Motorräder ab und gehen zur Strandpromenade. Heute esse selbst ich einmal ein Eis! Es gibt tolle Sorten und ich genehmige mir drei Kugeln. Schnell kann ich so ein Eis leider nicht essen, daher bin ich auch nicht am Start als unser Günter plötzlich meint, er müsse los. Die anderen seien bereits am Hotel und warten schon. Da nicht alle seinem Ruf folgen können (die haben auch noch ihr Eis zu essen), schließe ich mich zwei Moppedfahrern an, die mit mir zusammen zum Hotel fahren, nachdem wir fertig sind. Dort ist der Karl-Heinz von GÜTRANS schon kräftig mit dem Aufladen der Motorräder beschäftigt. Eigentlich wollte ich die ganz letzte Runde, die jetzt noch folgen soll - nur für Interessierte - mitfahren. Aber als ich sehe, dass Karstens Tiger bereits oben auf dem Truck auf mich herunter schaut, gebe ich auch mein Bike etwas enttäuscht ab. Dieser Verlauf ist nicht so ganz nach meinem Geschmack gelaufen, aber ich hätte ja etwas sagen können. Karsten sagte hinterher, er hätte gedacht, bei der Hitze sei ich froh, wieder im Hotel zu sein. Lukas ist aber noch die "letzte Runde" mitgefahren und war noch ganz begeistert. Er musste mir noch brühwarm erzählen, dass sie eine Art Single Track-Road gefahren sind - wie in Schottland, mit ganz viel Bäumen, wie durch einen Wald. Na, toll. Vielleicht nächstes Mal. Dann gibt es das letzte Abendessen, nachdem alle ihre Bikes zum Aufladen bereit gestellt haben und einen letzten Tagesausklang am Swimming-Pool.

Tag 10 : 30.05.15 - Der Nach-Hause-Flieg-Tag mit Strandbesuch

Das Hotel Airone hat einen tollen Shuttleservice: Am Tag davor haben wir uns in Gruppen eingetragen, um heute per Shuttle zur Baia Sardinia zu gelangen. Dort haben wir fast den gesamten Vormittag Zeit, uns herumzudrücken, zu baden, im Sand zu liegen, spazieren zu gehen, Souvenirs zu kaufen und last but not least - gemeinsam eine allerletzte sardische Pizza an einem großen Tisch im Freien als Abschiedsessen zu genießen.

Karsten und ich spazieren zuerst über die Promenade, laufen dann auf kleinen Wegen zu einer Bucht und lassen die Beine ins Wasser baumeln. Die Zeit vergeht schnell und schon sitzen wir alle am Tisch der Pizzaria und genießen das letzte Mittagsmahl hier auf dieser wunderschönen Insel.

Wir werden abgeholt und im Hotel haben wir zwei Räume zum Umkleiden, Duschen und Reste einpacken zur Verfügung gestellt bekommen. Das machen wir dann und irgendwann gen 17:30 Uhr bringt uns ein Reisebus alle zusammen zum Flughafen nach Olbia. Um kurz nach 23:00 Uhr sind wir in Düsseldorf, holen Günters Auto und müssen noch zu ihm und dann mit unserem PKW nach Hause. Um 3:00 Uhr nachts mache ich das Licht aus. Morgen ist Sonntag und wir können lange schlafen. Das tun wir auch und am Montag hat das Arbeitsleben uns schon wieder fest im Griff.



Kurzes Nachwort:

Dieser Urlaub war für uns ein reiner Motorradurlaub, also viel Fahren, wenig Zeit für Kultur und so gut wie keine Entspannung. Das war aber so geplant und so gewollt. Für mich war grandios, dass noch ein Platz für mein Motorrad frei wurde und ich es mitnehmen und selbst fahren konnte. Auch, wenn ich den Männern unterlegen bin, habe ich doch einiges gelernt und meinen Fahrstil verbessern können. Darauf bin ich stolz und auch dankbar, dass ich nicht gleich am ersten Tag aufgegeben habe, als ich nicht immer mitgekommen bin und oft eine große Lücke zwischen mir und meinem Vordermann war. Wichtig war hier: Die Fahrer hinter mir haben mich nicht überholt und hinterher gesagt, dass es für sie in Ordnung war.


Ich bin total dankbar, dass ich beim Fahren so gut wie keine Schmerzen hatte, sondern oft erst abends, beim Sitzen am Tisch, wieder ein leichtes Brennen in den Beinen begann, das aber zu ertragen war.

Dem Günter danke ich für die gute Führung über diese sagenhaft tollen Straßen und die Highlights, die wir sehen und er-fahren durften.

Den Mitfahrern danke ich für ihren Humor, für ihr Verständnis und die Akzeptanz, die mir entgegenbracht wurde und besonders danke ich Klaus und Hubert für die absolut lustigen Einwürfe und witzigen Statements, die immer wieder überraschend zwischendurch viele Lacher erzeugten.

Die Organisation dieser Reise war einfach spitzenmäßig. Ein Dankeschön an Heidrun und ihr Unternehmen 123 MOTORRADREISEN. Wir sind im nächsten Jahr hoffentlich wieder dabei!

Dem lieben Petrus danke ich für das absolut tolle Wetter: es war weder zu kalt noch zu heiß. Super zum Fahren, toll auch mal zum Gehen oder Pause machen in Motorradkleidung. Wenig Sonnenbrände, nur einmal durchnässt, klasse!

Dem lieben Gott danke ich dafür, dass es in der gesamten Gruppe - also alle 37 Fahrer nicht einen Unfall und dieses Mal sogar nicht einmal einen Umfaller gegeben hat. Das ist auch nicht selbstverständlich.

Dem Erfinder des dritten Gangs danke ich ganz besonders! So was von flexibel und belastbar ist dieser Gang, den ich von 35 bis 105 km/h nutzen konnte ohne Murren und Verzagen, ohne Ruckeln und Stottern. Ich weiß nicht, ob das bei allen Motorrädern der Fall oder normal ist. Lukas pflichtet mir bei - er empfindet es genauso: Ein HOCH auf den dritten Gang und auf die Straßen von Sardinien, die wir sicherlich noch einmal aufsuchen werden.


Unser Plan der zu erfahrenden Länder ist aber recht umfangreich und so müssen wir Sardinien erst einmal nach hinten anstellen, um die noch nicht besuchten Motorradländer vorzulassen. Oder die zu wiederholen, nach denen wir Heimweh haben.

Aber jetzt leben wir zuerst noch von den tollen Erfahrungen auf dieser Insel.