Schottland im Oktober - einfach unwiderstehlich

Die ganze Woche über herrscht hier in Bünde buchstäbliches MISTwetter. Wir haben DFDS Seaways gleich zu Beginn der Regenphase informiert und von zwei Motorrädern auf einen PKW umgebucht. Als es dann am Freitag, den 05.10.12 per Wetterbericht heißt: "Ab Sonntag scheint die Sonne, allerdings nur bei 10 - 12  Grad", da sind wir dann am Samstag, an dem es übrigens Katzen und Hunde regnet, einmal mutig und buchen das Ganze wieder um. Wir suchen alles heraus, was warm hält und - obwohl ich sie schon seit zwei Jahren besitze - nun endlich auch meine beheizbaren Sohlen und Handschuhe. Ich probiere das Handling damit. Anfangs stelle ich mich etwas tolpatschig an, aber später, während der Reise durch Schottland, lerne ich diese Sachen lieben und ehren und möchte sie nun bei Regen oder Kälte nicht mehr missen!

 

Doch nun geht´s zum Reisebericht Schottland 2012 mit zwei Motorrädern und drei Menschen, davon einer, der noch keinen Whisky trinken darf...

 

 

Der Highlander
Der Highlander

Sonntag, 07.10.12

Sonntagmorgen scheint der Lorenz und Jannis, der 12-jährige Sohn von Karsten ist doch etwas aufgeregt. Heute geht´s los nach Schottland. Zuerst mal zur Fähre nach Ijmuiden, was ja auch schon interessant sein könnte. Und sieh an: Jannis ist doch recht erstaunt, in was für einem großen Schiff wir fahren werden. Und dann noch mit Frühstück und einer schönen Außenkabine mit Fenster. Das Schiff schaukelt ordentlich und ich schlafe lange nicht ein, weil mein Magen meint, aus dem Mund hüpfen zu müssen. Irgendwann wird´s ruhiger und dann funktioniert es. 

 

 

 

Montag, 08.10.12

Am nächsten Morgen, dem Montag haben wir wirklich ein tolles Frühstück und sind pünktlich um 9:00 Uhr MEZ in Newcastle am Hafen. Da außer uns nur weitere vier Motorradfahrer an Bord sind, kommen wir auch schnell los und sind um die Mittagszeit (12:45 Uhr) an der schottischen Grenze. Es ist kalt, aber die Landschaft verspricht bereits recht viel. Jannis ist erstaunt, wie wenig Autos fahren, wie viel Landschaft da ist und dass es keine richtigen Zäune wie in Deutschland gibt, sondern Steinwälle oder gar keine. Dann in Jedburgh probiert er zum ersten Mal ein Scone. Eins mit Käse überbacken - und ist sehr angetan. Und heiße Schokolade mit Sahne gibt es ja in Schottland sowieso fast überall!

 

So auch im Café der Sehenswürdigkeit "Rosslyn Chapel", an der wir anhalten und eine Führung mitmachen. Besonders interessant sind die Steinmetzarbeiten, besonders die "Green Men" und die "Carvings" innen und außen an der Kirche. Berühmt im Inneren der "Totentanz" und die reich verzierte Säule "Prentice Pillar". Hier sollen die Templer den "heiligen Gral" vergraben haben, sagt die Legende. Und wie kommt es, dass die Steinmetzen Mais abgebildet haben, noch vor der Entdeckung Amerikas durch Kolumbus?

Da die Kapelle von hinten vollständig eingerüstet ist, wurde sie für den Film "Das Sakrileg" nochmals nachgebaut und auf einen Hügel platziert, damit sie schön aussah. Innen wurde aber hier gefilmt. Ein richtiges Juwel!

 

Nach einer von unserer Navigations-Zenzi etwas misslungenen Route mitten durch Edinburgh - mit Stauzeiten - sind wir um 18:00 Uhr endlich an der Firth-of-Forth-Bridge. Die Unterkunft wird von mir informiert, dass wir mindestens noch eine Stunde brauchen. Ab dann machen wir Tempo, denn es wird dunkel. Die letzten 50 km beinhalten eine tolle Strecke, aber leider in völliger Finsternis und Kälte.

Um 19:30 Uhr erreichen wir endlich das "Comrie Croft", eine Familien- und Jugendherberge bei Crieff (Geburtsstadt von Ewan McGregor) am Fuße der Highlands und unser Schlüssel hängt für uns an einer Tafel mit "Hartmann-Meier". Wir finden unser Zimmer im angrenzenden Gästehaus, es ist aus Natursteinen, alt, schlecht isoliert, alles knarrt und knarzt, die Türen sind zu niedrig für unsere Größen, aber wir finden es wunderbar. Nur die Duschen nicht: die sind entweder heiß oder kalt - warm gibt´s nicht. Ab diesem Abend wird an jedem weiteren Abend gebaded! Bis das heiße Wasser alle ist. So viel Luxus muss sein.

Apropos Luxus: Die große Küche verfügt über einen Induktionsherd. Lieber Mann, da lerne ich mal richtig was Neues! Das Kochen des Wassers z. B. geht unglaublich schnell, wie beim Gasherd, ist aber insgesamt schlechter regelbar.

 

Dienstag, 09.10.12

In der Nacht vom Montag auf den Dienstag (und auch in der darauf folgenden Nacht) kann man zwischen 22:00 Uhr und O:30 Uhr das Nordlicht sehen! Es ist morgens bitterkalt und alles weiß überzogen. Da wir seit dem vergangenen Nachmittag nichts mehr gegessen haben, quält uns doch der Hunger und wir treiben uns schon recht frühzeitig vor dem kleinen "Tea Garden" herum, der um 9:00 Uhr öffnen soll. Tut er aber nicht. Nun muss man wissen, dass der gemeine Schotte erst einmal seine Hühner füttern, die Eier einsammeln und ein paar Nachbarn begrüßen und Schwätzchen halten muss, bevor er in die Gänge kommt, sprich: den Laden aufmacht. Um 9:20 Uhr ist es dann soweit!

 

Wir sitzen immer noch leicht zitternd in der total ungeheizten Holzbude und bestellen ein "cooked breakfast", also Rühreier, Bacon, Tomate, Toast, Marmelade, Kaffee. Danach erhalten wir noch jeder einen Scone als Geschenk (mit Rosinen), da die vom Vortag sind und dazu: Himbeermarmelade aus Deutschland! Wunderbar. Nun ist uns schon ein wenig wärmer geworden und wir sind pinnesatt.

 

Wir brechen heute auf in schönstem Sonnenschein zum mittelalterlichen Städtchen Falkland, um dort den Falkland Palace & Garden anzusehen. Es geht heute zum County FIFE, nördlich von Kircaldy, da liegt er, im Besitz des britischen Königshauses, verwaltet vom National Trust.

 

Wir werden unseren Helmen entsprechend empfangen, ich bin auf jeden Fall King George! Nun dürfen wir uns das gesamte Schloss ansehen und in jedem Raum die Leute befragen. Die sind alle sehr aufgeschlossen und wissen eine Menge. Ehemals war dieses Schloss ein Jagdschloss der Stuarts (erbaut zwischen 1501 und 1541). Zum Garten gehört der "Royal Tennis Court", der vermutlich älteste Tennisplatz der Welt, auf dem heute noch dem weißen Sport gefrönt wird.

 

Nach der Besichtigung und einer sehr netten Verabschiedung seitens zwei älterer Ladies fahren wir weiter Richtung Anstruther ans Meer, denn da gibt es den besten Fisch and Chips! "The best in Scotland" steht schon über dem Schaufenster und die vielen Awards, die der Fisch Shop gewonnen hat. Es schmeckt wirklich sehr gut, nur könnte der Besitzer mal ein wenig Geld locker machen und eine neue Kühltruhe für sein Eis kaufen, das als Nachtisch angeboten wird. Die Truhe ist so laut und macht so ein ungemütliches Geräusch, dass uns das doch etwas negativ aufgestoßen ist.

 

Von dort geht´s nach Hause und wieder im Dunkeln kommen wir an, haben vorher noch kurz eingekauft - heute gibt´s Haggis mit Pellkartoffeln und Quark - und kommen dann frierend in die Küche. Die Badewanne und das heiße Wasser schaffen einen guten Ausgleich. Der neue Mitbewohner, ein kleiner, dicker Schotte, machts anders: bevor er anfängt zu kochen, leert er kurzerhand eine halbe Flasche Highland Park Whisky und dann den Wein, den er für die Soße nicht benötigt....

Mittwoch, 10.10.12

Heute ist es wieder kalt, aber es hat nicht ganz so arg gefroren in der Nacht. Geschlafen haben wir gut. Mit zwei Bettdecken übereinander! Heute schauen wir uns zuerst die Falls of Dochart an (Loch Tay) und schrammen immer ein wenig an Pitlochry vorbei, danach zum Castle Menzies über die beste Single Track - Strecke, die ich, außer oben bei Ullapool, in Schottland kenne. Wir fahren die ganze Strecke, bis wir an ein "Gesperrt wegen Bauarbeiten" ankommen - nach ungefähr gefühlten 60 km. Ein kurzer Schnack mit den Männern aus Stahl und wir dürfen passieren. Mit Auto ginge das nicht, die Straße ist viel zu eng, denn die Hälfte der Single Track ist aufgerissen. Es handelt sich um ca. 3 km, dann ist wieder alles passabel. Gut, dass wir deswegen nicht umkehren mussten!

 

Um ein Gingerbread und Tee zu uns zu nehmen kehren wir im Schloßcafé des Castles Menzies ein und erfahren etwas über Gingerbread, darüber, dass die Schotten NIEMALS den Euro haben wollen und sowieso nicht verstehen, wie man den Griechen und allen hochverschuldeten Landsnachbarn unbedingt finanziell aus der Patsche helfen muss. Die Damen im Café glauben ebenfalls fest daran, dass die Deutschen gern ihre DEMARK wieder hätten - und ganz ehrlich - so ganz falsch liegen sie momentan wohl nicht damit. Das Schloss schauen wir uns auf Grund des Eintrittspreises nicht an, es ist allerdings das Schloss, in dem die Clangeschichte erzählt wird.

 

Wir fahren weiter in den Höhenluftkurort Aberfeldy. Den Aberfeldy Single Malt kennen wir bereits und denken auch, dass die Distillerie, die wir nun besuchen wollen, eben diese ist, die diesen Single Malt herstellt. Doch sie ist viel mehr als das!Die Brennerei am Flussufer, die ihr Wasser nur aus EINER Quelle bezieht und - falls es im Sommer wirklich mal zu warm wird und zu wenig Wasser vorhanden ist - lieber ein oder zwei Monate lang nichts produziert als anderes Wasser zu verwenden, nennt sich Dewars - The World of Whisky. John Dewar, ein berühmter Blender, produzierte den "White Label", einen fruchtigen, leicht torfigen Whisky. Wir lernen, dass ein blended Whisky immer gleich schmecken muss, egal wie die Single Malts, die verwendet werden, sich auch verändern mögen. Faktoren der Veränderung gibt es viele: die Natur: das Klima, das Wasser, der Torf, die Gerste.... alles kann sich geschmacklich verändern. Der Whisky darf es nicht. Dafür gibt es in der Fabrik vier Master-Blender. Versagt einer, ist das Resultat verheerend. Aus nahezu 40 Single Malts, die nach drei Jahren aus den Fässern entlassen werden (ein Single Malt bleibt mindestens 10 Jahre in einem Fass) werden diese vermischt, und zwar in einem besonderen Verhältnis. Wir dürfen selbst als Blender tätig werden und versuchen, einen guten Whisky zu mischen. Meiner hat zu wenig Torf und zu wenig Süße. Ansonsten ist er ganz okay, sagt das Resultat. Wir werden über die besonderen Hölzer informiert, aus denen die Fässer bestehen und die mindestens zwei Single Malts nacheinander bis zu je 20 Jahren lagern können. Und umso mehr Blended Whiskys natürlich. Interessant ist wieder einmal "the angels share", der Alkohol, der aus den Fässern verfliegt und den die Engel erhalten, die Schottland darum so mögen und den Schotten als Gegenleistung den Alkohol als Regen zurück geben.

Ein 10 Jahre altes Fass war zu einem Drittel leer, ein 20 Jahre altes Fass zur Hälfte. Nun können wir uns vorstellen, dass ein 40 oder 50 Jahre alter Whisky genau ein oder zwei Flaschen ergeben könnte. Darum ist er dann so teuer, weil er so selten ist. Und so gut! Wir kaufen einen Single Malt, weil wir keinen blended Whisky möchten, nicht mögen und auch nicht probieren wollen. Und zwar nehmen wir einen, den es in keinem Laden gibt: einen Glen Deveron. Er ist wunderbar und treibt abends im Bett noch die Restkälte aus den Gliedern, die das Badewasser nicht geschafft hat.

Donnerstag, 11.10.12

Heute sieht es schon nicht mehr so toll aus draußen. Ein paar Wolken sind unterwegs und die sind nicht weiß.

Wir haben eine neue Mitbewohnerin. Der kleine dicke Schotte hat sich in eine nette, schlanke, zierliche Lady verändert, die Carol heißt und aus England (Southampton) kommt. Sie hat Krebs und ihren Mann vor einigen Jahren durch dieselbe Krankheit verloren. Nun war ihr einziges Ziel, als sie im Krankenhaus lag, hier nach Comrie zu kommen, um ihre Freundinnen und Freunde wieder zu treffen und am Barn-Dance teilzunehmen. Sie ist wirklich äußerst nett und wir unterhalten uns mit ihr über ihre Familie und über Gott und die Welt.

 

Dann brechen wir auf zum Scone Palace, der nicht zum National Trust gehört, sondern in Privatbesitz ist. Es ist das Schloss, in dem die schottischen Könige gekrönt wurden. Er liegt ca. 3,5 km nördlich von Perth. Bei diesem Schloss geht es um die Geschichte eines besonderen Steines, dem "Stone of Destiny" - Schicksalsstein. Heute befindet er sich in Edinburgh Castle, aber der Legende nach stand er auf dem Moot Hill, einem Hügel, den man mit Erde aus allen Landesteilen aufgschüttet hatte. Wurde ein neuer König gekrönt, brachte ein Clanchief immer einen Stiefel voll Erde mit, um auf eigenem Boden zu schwören.

 

Heute gehört der Scone Palace dem Earl of Mansfield. Besonders sehenswert ist das Meißener Porzellan und die Elfenbeinschnitzerein, die Chippendale Möbel sowie höchst eigenwillige, in Paris angefertigte Pappmaché - Arbeiten, täuschend echt, wirklich. Auf einem kleinen Hügel gegenüber dem Schloss steht eine kleine Kapelle, dahinter erstreckt sich ein Garten mit einem Labyrinth, dessen Ziel, eine nackte schöne Frau im Wasserstrahl, nicht von jedem auf Anhieb gefunden wird.

 

Es bezieht sich gegen 14:30 Uhr und fängt dann ordentlich an zu regnen. Leider. Unsere Denkweise "Ist doch nicht so weit, schaffen wir schon" ist nicht die richtige und daher kommen  wir äußerlich ziemlich nass an unserer Unterkunft an und wissen am Ende kaum, wohin mit den nassen Klamotten.  Wir selbst sind zwar trocken geblieben, aber die Kleidung wird schwer und kalt. Und ich habe noch die wenigsten Probleme durch meine warmen Füße und Hände. Beheizter Nierengurt käme noch gut - muss ich mir mal überlegen...

Freitag, 13.10.12

Aberbläubisch bin ich ja nicht, aber heute ist doch ein total trüber Tag. Zum Motorrad fahren hat keiner von uns Lust! Es stürmt bei 9 Grad und regnet schräge Bindfäden. Sogar in meinen dicken Wanderschuhen und der Leggings unter der Jeanshose ist mir kalt. Den großen Regenschirm können wir kaum halten.

 

Wir entscheiden, mit dem Bus zu fahren und zwar nach Comrie, denn nach Crieff gibt es nur eine total blöde Verbindung mit Umsteigen und Wartezeiten, also fahren wir nicht so weit. Comrie ist auch ganz nett und wir steigen zuerst einmal bei der Tourist Information aus. Dort erkundige ich mich nach dem Rezept für Gingerbread und bekomme Tipps und kaufe ein Rezeptbuch. Ein Rezept für Scones habe ich schon handgeschrieben erhalten. Wunderbar! Wir schauen uns ein wenig die Stadt an und fahren dann ins Tourist-Center, wo es Glasschmuck, schottische Produkte und allerlei Kunsthandwerk gibt. Wir schauen uns um, kaufen nichts, essen etwas, um dann wieder zurück zur Stadt zu wandern. Es ist ungemütlich und grau und wir sind froh, als wir wieder im Bus sitzen, der uns in der Dämmerung nach Hause fährt.

 

Doch dann können wir es wieder nicht lassen: ein Tipp für ein gutes Abendessen im Comrie Hotel bewegt uns, uns nochmals auf die Motorräder zu setzten, normale Klamotten drunter, Regenzeug drüber und dann ab durch das Sauwetter zum schönen schottischen Abendessen.

Wegen unserer nicht standesgemäßen Kleidung dürfen wir (wie viele andere auch) in der Bar essen. Da ist es warm und sehr gemütlich. Die beiden Männer essen den größten Burger, den ich je gesehen habe und ich habe Kalbsnierchen mit Reis. Wir genießen das Mahl und als wir wieder in die Dunkelheit auf die Bikes müssen, stehen die Männer aus dem Nachbar-Pub draußen und schauen genau zu, wie wir unsere Sache erledigen. Besonders die kleine Triple erntet bewundernde Blicke, obwohl die meisten Männer sich ja mit Hubraum unter 1000 cm³ nicht abgeben...

Samstag, 13.10.12

Den letzten Tag heute wollen wir uns nicht verderben lassen, OBWOHL es ziemlich nach Regen aussieht. Nach dem Frühstück stippelt es auch schon und wir werfen uns gleich in unsere Plastikhaut. Heute wollen wir nochmals gen Osten zum Castle Kellie, vormals eine Burganlage (um 1360). Das jetzige Schloss entstand im 16./17. Jahrhundert und wurde um 1900 von der Lorimer-Familie liebevoll restauriert. Besonders sehenswert sind die Holztäfelungen und die Stuckarbeiten.

 

Im Café bekommen wir einen heißen Eintopf und die Jungs essen wieder die fette süße Schokolade. Da meine Hose kaum geschlossen werden kann bei so viel Unterziehsachen, verzichte ich doch lieber auf die Kalorien und trinke einen bescheidenen Tee.

 

Danach machen wir uns auf zum Hill of Tarvit, einem Herrenhaus, südlich von Cupar gelegen, das wir eine Stunde vor Schließung erreichen. Es liegt wunderbar auf einer Anhöhe, umgeben von einer tollen Gartenanlage. Im Inneren treffen wir auf Mr. Alan Dunlop (nicht verwandt mit dem Reifenheini) und dieser erzählt uns in wunderbarem Deutsch von dem ehemaligen Besitzer Frederick Shap, Jute-Produzent, Eisenbahndirektor, Kunstsammler, Financier, der besonders die Bilder der holländischen Maler liebte. Er selbst war ein Golf-Liebhaber und liebte daher besonders die Bilder, die mit Golfen zu tun hatten. Der Golfplatz liegt gleich nebenan und wird gern und häufig benutzt. Als Mr. Sharp starb, vermachte er alles seiner Tochter und diese entschloss sich dann, alles genau so getreu wie ihr Vater es gesammelt und erstanden hatte, zu belassen und es dem National Trust zu übergeben.

 

Alles in dem Haus ist noch im Original vorhanden. Es fehlt nichts. Darauf ist man sehr stolz und das sind wirklich WERTE! Alan nimmt eine kleine Taschenlampe und macht uns auf Dinge auf Gemälden aufmerksam, die einem sonst entgehen würden. Kleine Gesichter von Kindern, besondere Pflanzen und immer wieder das Golfspiel.  Er ist selbst ganz fasziniert von der kleinen Lampe und meint, er hätte nun ein neues Spielzeug.

 

In dem Hill of Tarvit ist jedes Zimmer anders geschnitten und möbliert. Es sollte nichts noch einmal vorkommen. Es gibt einen oval geschnitten Raum (optische Täuschung), einen viereckigen, sechseckigen und trapezförmigen Raum. Alles Schlafzimmer. Für die Gäste gibt es einen Raum im Raum, in dem man sein Gepäck abstellt und die ganze Zeit des Aufenthaltes nicht mehr sieht.

 

Wir sind froh, dass wir uns dieses schöne Anwesen noch angeschaut haben und fahren gut gelaunt nach Hause. Heute Abend müssen wir noch schottisch tanzen lernen. Mal schauen, was so los ist auf unserer "Ranch". Als wir ankommen, ist der Parkplatz auch recht voll. Wir müssen aber noch duschen und etwas essen.

 

Als wir in die Scheune kommen, wird kräftig das Tanzbein geschwungen. Alles, was laufen kann, ob Kind, Mutti, Oma oder Onkel - alle tanzen mit. Viele Männer im Kilt. Sieht gut aus und macht Laune. Wir schauen gebannt zu. Um 22:00 Uhr fährt der Bus, da ist plötzlich die Party zu Ende. Wer hätte das gedacht! Alle verabschieden sich und auch wir gehen ins Zimmer, denn wir müssen noch packen, weil wir am nächsten Morgen gen Heimat fahren.

Sonntag, 14.10.12

Nach einem reichhaltigen Frühstück - diesen Morgen ziemlich früh - sogar mit Porridge, brechen wir (natürlich immer noch im Regen) Richtung Edinburgh auf, um die Fähre so früh wie möglich zu erreichen, denn die bedeutet: Trockenheit und Wärme.

 

Heute ist es echt gruselig. Die Wolken fliegen nur so dahin und sie sind oft ziemlich dunkel. Es schüttet teilweise wie aus Eimern, dann kommt wieder die Sonne durch.

 

Als wir auf einen Tee und zum Aufwärmen anhalten, um in ein Teehaus zu gehen, meint die Chefin dort, heute sei so was wie der "Independence Day". Es wären "Spaceshuttles" unterwegs - die dunklen Wolken und "You know what is in it - yes we know it" - nämlich Nässe, Nässe, Nässe. Es sei, als ob man die Shuttles öffnet und Aliens heraus ließe, in Form von Flüssigkeit. Alles lacht. Humor haben die Schotten ja, besonders, wenn´s um´s Wetter geht...

 

Wir sind pünktlich in Newcastle und dürfen ziemlich flott auf das Schiff. Dieses Mal stehen wir mit den Autos zusammen. Zwei andere Motorradfahrer aus dem Sauerland gesellen sich noch dazu. Das war´s. Es wird Winter. Die Saison ist vorbei. Der Urlaub auch fast. Nun noch die Kabine aufsuchen und umziehen. Dann ein bisschen Wellen gucken und was trinken gehen. Karsten möchte noch Parfum gucken. Und testen. Nach dem fünften oder sechsten Parfum wird mir plötzlich übel und ich muss in die Kabine. Das Schiff schaukelt ordentlich. Das Deck und die Lounge sind recht leer. In der Nebenkabine kotzt sich eine Dame die Galle aus dem Leib. Und ich schlafe erstmal ein. Hunger habe ich nicht mehr.

 

Später gehe ich nicht noch einmal auf´s Deck und schlafe unruhig bis zum Morgen. Das Frühstück ist wieder mal super und ich kann jetzt wieder zulangen. Bald erreichen wir Ijmuiden und es regnet nicht! Noch einmal den Passport zücken und freundlich lächeln - dann geht es ab nach Hause.

1903 Kilometer fuhren wir in dieser Woche
1903 Kilometer fuhren wir in dieser Woche

Am Montag, den 15.10.12 kommen wir gegen 14:20 Uhr zu Hause in Bünde an und haben noch den ganzen Tag zur Aklimatisierung. Schön war´s in Schottland - ein wenig zu kurz und einen Tag zu nass, aber dennoch: mein Heimweh wurde gestillt und Jannis fand´s gut!

 

Kleiner Tipp: Im Oktober sind die Tage in Schottland recht kurz, daher entweder sehr früh aufstehen oder lieber im Frühling fahren, da nehmen die Tage kein Ende und um 5 Uhr morgens ist es schon wieder taghell!

 

Das Discovery Ticket vom National Trust lohnt sich im Oktober nur, wenn man an mehrere Orte reist, also die Möglichkeit hat, viel zu fahren. Wir waren immer an ein und demselben Ort und da viele Sehenswürdigkeiten in unsere Nähe nur bis Ende September geöffnet haben, haben wir leider ein paar richtig tolle Schlösser nicht besichtigen können.

 

Heizbare Kleidung ist einfach super, wenn es so kalt ist. Zwiebelprinzip in allen Ehren, aber auch ein Innenhandschuh oder ein Dreifingerhandschuh (der obendrein schwierig beim Schalten und Bremsen ist) kann einem beheizten Handschuh nicht das Wasser reichen. Ich jedenfalls bin vollkommen begeistert und werde mich in dieser Richtung noch weiter ausstatten. Schließlich wollen wir doch alle mal zum Nordpol - oder?