Highlights of Scotland 2017

"Das fünfte Mal nach Schottland"? Ungläubiges Kopfschütteln seitens unserer Motorrad- und Wanderfreunde. "Da habt Ihr doch sicher schon jeden Stein umgedreht". Haben wir eben nicht.

Kurz und bündig: Es sollte eine Tour werden mit vielen Sehenswürdigkeiten, Orten, die wir bei den vorherigen Besuchen ziemlich toll fanden wie z. B. Lochinver oben im Norden oder Fort William und Orte, an denen wir noch nicht waren, wie z. B. Applecross oder die Black Isles.

Achtzehn Tage hatten wir Zeit und ich habe selbst erstmalig mit meinem neuen Navi und Basecamp ALLE 18 Routen eingegeben, die Sehenswürdigkeiten ausgesucht und die Unterkünfte gebucht. Auch die sollten ein wenig besonders sein. Bis auf das Wetter hatte auch alles geklappt. Aber Schottland ist ja dafür berühmt und bekannt, dass man vier Jahreszeiten an einem Tag haben kann und vor allem auch viel von der nassen Jahreszeit - oder der kälteren. Noch zuhause hörten wir mit Bangen den Wetterbericht, der Nässe, Kälte und Stürme vorhersagte. 12 Grad Höchsttemperaturen. Brrrr.... Schade, der Mai verlief gerade bei uns garnicht so schlecht. Das zweite Augenmerk war auf den Wechselkurs gerichtet, denn nach dem Brexit merkten wir schon, dass doch die Preise erheblich angehoben wurden, in Punkto Übernachtungen genauso wie in Punkto Essen und Benzin.

 

Wir starteten am 24. Mai 2017 - wie immer von Bünde nach Ijmuiden und vorab habe ich Euch a) eine kleine Karte angefertigt, die wenigstens den groben Verlauf der Reise anzeigt (sie ist auch interaktiv - Ihr könnt mal draufklicken, z. B. auf einen Ort)  und b) den Einstiegsfilm von der Fähre in Newcastle am Vormittag des 25.05.17 eingefügt, der die ersten schönen und warmen Kilometer in England zeigt. Mit meinen neuen Koffern kam ich aber erst am dritten Tag zurecht, das muss ich wohl zugeben.

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Entgegen der meisten Biker auf der Fähre, die NICHT zur Isle of Man und NICHT nach Irland weiter fahren wollten, hatte ich mich entschlossen, erst nach Osten und dann oben eine Schleife nach Westen zu nehmen. Die anderen Fahrer wollten alle so schnell wie möglich in den Westen, denn der ist rauer, ursprünglicher und eben schottischer (womit sie Recht haben, aber....) auch die Ostseite hat ihren Reiz und vor allem kam uns dort ein Wetterchen entgegen, das wir nicht vermutet hatten: wir schwitzten buchstäblich die Garnituren durch! Und wendeten das Zwiebelprinzip an, indem wir immer wieder etwas auszogen und verstauten. Ja, so war das.

Aber: Fangen wir mal ganz von vorne an. Am 24.05.17 - es war der Mittwoch vor Christi Himmelfahrt, fuhren wir gen 11:00 Uhr in Bünde mit unseren beiden Tigern los gen Fährhafen Ijmuiden. Naja, wir dachten, wir hätten so ziemlich mit nur wenigen diese glorreiche Idee gehabt, an einem Mittwoch zu reisen, aber: da hatten wir uns getäuscht. Dann war auch noch das Wetter so klasse, dass wir gar keinen Stuhl oder eine andere Sitzgelegenheit mehr an Bord bekamen. Ein Heineken haben wir aber dennoch ergattert. Also jeder eins.

Wir hatten eine Außenkabine mit Doppelbett gebucht und es war dort recht still. Nachdem ich eine "kalte" Suppe gegessen hatte, wollte ich mich im Grunde nur kurz ausruhen, um dann später wieder in die Bar zu gehen, um ein Begrüßungs-Guinness zu trinken. Als ich aufwachte - mit voller Montur im Bett - war es 22:00 Uhr durch. Ich war sowas von kaputt, dass ich mich nur kurz umzog, Zähne putzte und dann wieder einschlief. Bis zum nächsten Morgen, als die sanfte Stimme uns zum Frühstück weckte. Das hatte es auch noch nicht vorher gegeben.

Am nächsten Morgen nach dem Frühstück hieß es dann auch schon bald Abschied nehmen von der Fähre und neugierig schauen, was der Tag uns bringen würde. Das Wetter war immer noch super. Wir mussten leider etwas länger anstehen, denn es hatte einen Terroranschlag in Manchester gegeben und so leicht konnte man nun als Biker hier nicht ausreisen. Aber nach einer guten Stunde hatte sich auch das erledigt und die große Motorrad-Traube zerfloss zusehends, bis wir niemandem mehr begegnet sind und - wieder einmal - das Gefühl hatten, in England fährt man allein Motorrad.

Das war unsere Route für heute, den 25.05.17:

Wir wollten also noch nicht so schnell nach Schottland, im Grunde nur zur Jedburgh Abbey und dann wieder nach England. Warum? Ich hatte einen Scottish Heritage Pass geordert, den wir an einer von vielen Sehenswürdigkeiten, die in einer Liste verzeichnet sind, abholen muss. Die erste Station ist dann auch das Datum, ab das der Pass gilt. Für 7 Tage. Da die meisten Sehenswürdigkeiten in der ersten Woche lagen, habe ich mich dann für diesen Pass entschieden, denn er beinhaltet sowohl die noch heilen und bewirtschafteten Castles und Abbeys, Burgen und Visitor-Center also auch die Ruinen, also das Historic Scotland. Das fand ich gut.

Wie Ihr verfolgen könnt, starteten wir gen Kielder Forrest Park und fuhren dann weiter nach Jedburgh, um uns dort die Abtei anzusehen. Dann weiter zum Paxton House, das wir gern auch noch besichtigt hätten, aber es hatte leider schon geschlossen. Also dann direkt zu unserer Unterkunft, nach Scremerston.

Die Jedburgh Abbey ist eine eindrucksvolle Ruine einer früheren Augustinerabtei, die 1138 gegründet und 1544 von den Engländern zerstört wurde. Prunkstücke der Sandsteinkirche sind zwei normannische Torbögen sowie ein Rosenfenster in der Westfassade. Ferner noch die normannischen Arkaden im dreistöckigen Hauptschiff.

In Scremerston fand ich (aufgrund meiner tollen Routenplanung) das B&B "The old School" sofort. Wir wurden sehr nett empfangen und bezogen gleich ein uriges, kleines Zimmer. Erstmal duschen und dann schauen, wo es etwas zum Beissen gab. Leider kann man in Scremerston nicht essen gehen. Dazu mussten wir dann doch noch einmal zu Zweit auf ein Bike und nach Berwick-upon-Tweed fahren. Da gab´s dann aber eine sehr gute Auswahl an verschiedenen Speisemöglichkeiten. Wir wählten den besten Pub vor Ort.

Nach dem Essen spazierten wir noch etwas durch den Ort und verabschiedeten uns während des Sonnenuntergangs vom River Tweed und den Schwänen.

Am nächsten Morgen wurden wir schon sehr früh von der Sonne geweckt, die durch unser Fenster schien (brannte). Im Bett hielt ich es alsdann nicht mehr aus und wir entschieden uns für Breakfast. Wir merkten sofort, dass wir uns noch in England befanden: Kein Haggis, kein Black Pudding und einen sehr gesunden Porridge auf Anfrage. Alles andere wie Rührei, baked beans, Tomatoe, Toast, Orange-Marmelade - sausages - war aber vorhanden. Der Kaffee schmeckte ausgezeichnet und wir kamen mit einem älteren Ehepaar ins Gespräch, deren weibliche Hälfte auf Ahnensuche war. Sie wollte ihren Stammbaum vervollständigen und Verwandte finden, die sie noch nie, seit Ewigkeiten nicht oder als Kind zuletzt gesehen hatte. Ein ganz schön gewagtes Unterfangen, wie ich fand. Man weiß ja nie, wie einem die Menschen so begegnen. Ich versicherte ihr, dass ich morgen früh als Erstes nach dem Resultat der Suche fragen würde. Unsere Suche heute nach der richtigen Route sah in etwa so aus:

Als erstes wollten wir zum Bamburgh Castle, das wir mit den Kids 2007 nur kurz besucht und für toll befunden hatten. Dann zum Floors Castle - wenn möglich mit Führung - und dann zum Scott´s View - einer tollen Aussichtsplattform, auf der Sir Walter Scott so gern ins Land geschaut hat. Wenn noch Zeit genug vorhanden wäre, beenden wir den Tag mit einem Besuch der Dryburgh Abbey.

Ursprünglich stand hier ein Fort der keltischen Briten namens Din Guarie. 993 wurde es von Wikingern zerstört und später dann von den Normannen als Burg wieder aufgebaut. Diese ging dann durch viele Hände, wurde gelegentlich von den Schotten bekämpft und dann im 19. Jhd. von dem Tycoon William Armstrong gekauft und vollständig zuende restauriert.

Heute ist sie der Öffentlichkeit zugänglich und Kulisse vieler bekannter Filme wie z. B. "Ivenhoe", "Maria Stuart", "Macbeth", "Elizabeth" und "Transformers". Auch für Hochzeitsfeierlichkeiten kann man Räumlichkeiten mieten. Die Lage direkt am Meer beschert eine der besten Luftqualitäten in ganz England.

Wir fahren weiter - und es ist immer noch soo warm! - Richtung Kelso. Dort liegt das Floors Castle. Es wurde 1971 in die höchte Kategorie A der Denkmallisten aufgenommen. Es gehört - neben einem anliegenden Hotel und einem Golfplatz - dem Duke of Roxeburghe.

Wir fanden diese (selbstgeführte) Besichtigung nicht ganz so interessant, denn es gab nur wenige Räume, in die wir für einen recht ansehnlichen Eintritt (es gehört nicht zum NTS) hineingehen durften.

Wir fahren zur Dryburgh Abbey, einer hochgotischen Klosterabtei auf einer Halbinsel am Tweedufer. Und hier liegt er begraben, Sir Walter Scott. Weil die Abbey für ihn die "romantischste Ruine" darstellte. Er liegt in einem Granitsarkophag von Chantrey.

Wir beschließen diese schöne (und recht warme) Tagestour mit dem Scott´s View, der Aussicht, die Sir Walter Scott so geliebt hat. Und: sie ist auch sehr schön. Noch eine Nacht in England, dann werden wir uns endgültig nach Schottland aufmachen und auch vorerst dort bleiben. Versprochen.

Es ist Samstag, der 26.05.17 und wir machen uns gleich nach dem guten Frühstück auf Richtung Norden. Zwei Dinge noch: Die Dame hatte ihre Verwandten gefunden und der Besuch war anstrengend, aber sehr schön gewesen. Dann als zweites wurde eine Unwetterwarnung ausgesprochen: aus dem Norden Schottlands rollte ein sehr arger Sturm an in Richtung England. Es sollte noch ein paar Tage dauern, bis er angekommen sei, aber die Warnung war schon mal da und das mulmige Gefühl in meiner Magengegend auch.

Wir fahren Richtung Küste (Edinburgh) zum Firth of Forth. Unterhalb von North Berwick befindet sich das Tantallon Castle, eine Ruine aus dem Mittelalter. Dort machen wir unseren ersten Stopp. Es ist total frische, schöne Luft und wir erhalten eine richtig tolle Führung (aus Leidenschaft) vom dortigen Keeper. Das Tantallon Castle ist wirklich eine großartige Ruine. Großartig allein ihrer Lage wegen. Es wurde 1374 für den Douglas-Clan aus roten Sandsteinen errichtet. Durch eben seine Lage mit Wall, Graben, Ecktürmen und zentralem Torhaus widerstand die Festung viele Angriffe durch James IV. und James V.

Erst Cromwells Truppen gelang es 1651, die Burg einzunehmen und zu zerstören.

Wir fahren weiter zu einem von der industriellen Revolution nur gestreiften Bilderbuchstädtchen: Culross (Royal Burgh of Culross). Zwischen 1600 und 1800 florierte Culross dank seiner Kohle- und Salzgruben. Heute wird das Städtchen sorgfältig vom NTS restauriert, mit kopfsteingepflasterten Gässchen, weiß getünchten "Little Houses" und schmucken Stufengiebeln.

Das Stadthaus des Kaufmanns Sir George Bruce ist nun der "Palace", der Palast von Culross. Es gibt aber noch mehr sehenswerte Häuser und so beinhaltet der Heritage Pass den Eintritt für das gesamte Museumsdorf. Wir freuen uns.

Als wir im Begriff sind, Culross wieder zu verlassen, kommen wir an einem Haus mit kleinem Garten vorbei, in dem dieses Blatt Papier einlaminiert mit Klammern befestigt für jedermann lesbar ist. ich zwinke Karsten zu und behalte meine Gedanken und Worte für mich.

Wir fahren ins Glenshee-Gebiet, genauer gesagt nach Blacklunans. Es wird einsamer und etwas bergiger bzw. hügeliger. Hier habe ich eine etwas außergewöhnliche Übernachtungsmöglichkeit gebucht und wegen genau der hatte ich auch Magenschmerzen. Es ist ein "Romantic Pod", ein alter Schäferwagen auf einem Öko-Campingplatz. Dieser nennt sich "Ecocamp Glenshee". Ich habe dort zwar sehr gut geschlafen und wir fanden die Gegend auch wirklich klasse, aber der Campingplatz ist aus unserer Sicht nicht unbedingt zu empfehlen. Es gibt Öko und es gibt Öko. Dieses Öko war etwas merkwürdig, es stank und ich habe mich vor den Duschen doch ein wenig geekelt. Und dafür haben wir einen stolzen Preis bezahlt. Wenn man etwas mit billigsten Mitteln aufbauen will, es dann für ein ganz teures Öko-Abenteuer verkauft, holt einen oft die minderwertige Qualität und entsprechende Mängelbelastung nach einer Zeit wieder ein. Aber - Schwamm drüber. Erfahrungen sind dazu da, gemacht zu werden.

Heute, am 28.05.17, ist das Wetter schon nicht mehr ganz so schön. Den Abend vorher sind wir zu Zweit auf MEINEM Mopped zu einem Hotelrestaurant zum Essen gefahren und dabei sowas von nass geworden, dass man uns hätte auswringen können. Wir saßen nachher triefend im Foyer des Hotels und fanden es echt super, dass die uns nicht rausgeschmissen haben. Wir haben sogar noch richtig gut dort gespeist und waren am Ende fast wieder trocken. So einen Guss habe ich lange nicht abbekommen.

Nun ist es aber Vormittag und wir wollen zuerst einmal zum Glen Clova, eine Single Track Road, die in die Berge führt und danach an die Küste zum sagenumwobenen Dunnottar Castle. Wie schon geschrieben, ist es etwas frischer und windiger als die Tage zuvor und manche Straßen durch den Wald sind noch nass vom Regen.

Dunottar Castle, die dramatische Ruine bei Stonehaven an der Ostküste von Schottland, Drehort für den Hamlet-Film mit Mel Gibson und eine Trutzburg, von drei Seiten von Wasser umgeben.

Wir sind begeistert, obwohl es immer stürmischer wird und die strömenden Touristenmassen uns die Besichtigung auf einen anderen Urlaub verschieben lassen. Es ist halt Sonntag.

Auf dem Monument zu Ehren der Frau des Priesters aus dem benachbarten Kinneff steht zu lesen, dass sie während der Feldzüge Cromwells und der englischen Belagerung die königlichen Insignien Schottlands herausschmuggelte.

1604 ließ David Lindsay den wunderschönen Renaissancegarten mit Badehaus am Edzell Castle anlegen. In der Nähe von Fettercairn kann man noch heute die Ruine des Schlosses, die interessante Schlossmauer und den Garten bewundern. Auch dies wird heute vom NTS verwaltet. Wir besuchen es auf dem Rückweg zum Schäferwagen.

Da wir ja Selbstversorger sind, decken wir uns mit allerlei Biersorten ein. Dann setzen wir uns erst vor den Wagen, schmeißen später dann den Ofen an und erzeugen damit eine Hitze, dass wir es IM Unterschlupf nicht mehr aushalten. Dass der Ofen auch noch arg gestunken hat, erwähne ich hier auch noch, hat mich aber bei der sonstigen Geruchskulisse nicht weiter verwundert.

Heute ist ein klasse Tag, der sehr traurig endet, zumindest für mich. Tja, auch unter Motorrad-Ehepartnern gibt es mal die eine oder andere Unstimmigkeit. Aber fangen wir mal bei dem "klasse" an. Wir schleichen uns morgens schon in aller Frühe aus unserem romantischen Unterschlupf, werfen den Schlüssel leise in den Briefkasten des Betreibers, schieben die Bikes ein Stück in den Waldweg hinein und schmeißen sie dann an, um diesen Ort ein für allemal zu verlassen. Wir begeben uns auf den Weg Richtung Braemar. Unterwegs fahren wir durch das Glenshee-Gebiet und halten, um in einer Skihütte zu frühstücken. Es ist ordentlich kalt geworden und der Wind fegt ganz schön über uns hinweg. Gefühlt 12 - 14 Grad, nicht mehr.

Nach dem Frühstück fühlen wir uns gestärkt und gewärmt und fahren zuerst einmal nach Braemar hinein. Dort finden wir "Gordon´s Tearoom", damals in 2007 unser B&B, jetzt eine Bakery. Aber immer noch sehr ordentlich und fein. Wir wechseln Geld, der Kurs ist ganz annehmbar - und fahren weiter, um uns die Ruine des Kildrummy Castle anzusehen. Die Landschaft sieht nun doch schon ganz anders aus als noch in der Nähe von Edinburgh.

Nachdem wir einen kurzen Abstecher zur normannischen Burg, dem Kildrummy Castle, gemacht haben, das westlich von Alford liegt und vier Rundtürme hat, fahren wir weiter zum Märchenschloss der Grampions: zum Craigievar Castle.

Im Craigievar Castle erhalten wir eine Führung von einem Guide, der aussieht wie Dani de Vito und eine noch bessere Mimik hat. Er erzählt richtig gute Geschichten über das Schloss, Geheimfächer, das Gesinde und wie es die Herrschaft an der Nase herum geführt hat. Herrlich! Das Schloss ist dermaßen verbaut, dass ich mich nicht allein darin zurechtfinden würde. Die Wendeltreppe ist so schmal, dass dort die Damen mit den breiten Röcken damals bestimmt große Probleme hatten, herunter zu steigen. Daher tauschte man: die oberen Räume bekam das Gesinde und im Erdgeschoss wohnte die Herrschaft. Das hatte auch zur Folge, dass sich das Gesinde oben oft "taub" stellte, wenn gerufen oder geläutet wurde. Das hörte man oben einfach nicht, da der Schall ganz anders übertragen wurde als von oben nach unten.

Wir setzen die Fahrt fort, um weiter gen Osten nach Pitmedden zu gelangen. Die Pitmedden Gardens and ihr Tearoom sind sehr berühmt. Vor allem letzterer für seine Scones. Leider hat man so viele davon verkauft, dass man an diesem Tag schon geschlossen hatte. Nur der Garten war noch geöffnet und den haben wir uns dann noch angesehen.

Dann fahren wir weiter nach Fraserburgh, direkt ans Meer. Dort wartet wieder eine außergewöhnliche Unterkunft auf uns. In Rosehearty. Ich bin schon richtig aufgeregt und als wir dort ankommen, ist unsere "Hausherrin" nicht zugegen. Also schauen wir uns die Location schon einmal an. Dann kommt sie mit den Kindern im Auto angebraust, holt den Schlüssel und erklärt uns alles. Wir schlafen quasi in einem alten Eisenbahnwagen, ein bisschen umgebaut, aber super-gemütlich. Finde ich zumindest. Aber dazu komme ich gleich noch.

Am nächsten Morgen grollt Karsten mir immer noch und ich finde das so schade, weil die Umgebung wirklich soooo schön ist und wir nun auch noch Schafe im Vorgarten haben. Aber er macht wenigstens Porridge und wir überlegen dann, was an dem Tag ansteht. Auf jeden Fall Regen, das ist so sicher wie das Amen in der Kirche.

Zuerst wollen wir zum Fyvie Castle, dann Richtung Huntly, denn dort gibt´s Dean´s Shortbread. Danach hatte ich Karsten überraschen wollen und ihm die Mitgliedschaft im Golfclub Dufftown schenken wollen. Da regnete es dann schon so, dass wir dort nicht mehr hingefahren sind (und Lust, Karsten etwas zu schenken, hatte ich nach dem gestrigen Tag plötzlich auch nicht mehr so....). Wir sind dann gleich weiter zur Strathisla Destillery.

Im Fyvie Castle bekamen wir eine sehr "hochwertige Führung", was heißt, dass die Dame dort sehr ernst und total geschichtsgetreu die Jahreszahlen und Namen der Counts und Countesses herunter beten konnte, ohne mit der Wimper zu zucken. Sie hatte ein wirklich enormes Wissen und auf jede Frage der Zuhörer eine Antwort. Aber so lustig wie der Dani de Vito-Guide war sie trotzdem lange nicht. Als wir aus dem Schloss kommen, regnet es schon und wir pellen gleich die Regenklamotten an. Dann fahren wir zu Dean´s und kaufen ein, essen dort etwas und begeben uns dann nicht mehr nach Dufftown, sondern wieder Richtung Eisenbahnwagen.

In der Strathisla-Destillery kauft sich Karsten erst einmal einen Scapa-Whiskey, 12 years. Er ist in keiner Weise torfig, das mag Karsten nämlich nicht (im Gegensatz zu mir) und daher ist er abends ganz zufrieden. Ich bin so durchgefroren, dass ich erst einmal ein Fußbad brauche. Der Wind ist mittlerweile zu einem pfeifenden Sturm angeschwollen und als wir ins Bett gehen wollen, habe ich Angst um die Motorräder. Dass sie nicht stehen bleiben auf der Wiese am Zaun. Sondern umkippen. In dieser Nacht stürmt und pfeift es so grauslich um diesen Waggon, dass ich echt Angst bekomme. Hoffentlich kann ich am nächsten Tag das Motorrad gerade auf der Straße halten. Liebe Zeit.

Ganz heimlich habe ich noch spätabends meine Tochter in Dortmund angerufen, um sie nach der Wettervorhersage in Fraserburgh und den Black Isles zu fragen. Wir hatten ja im Waggon kein Netz und somit war keine Internetverbindung möglich. Sie versicherte mir, dass der Sturm am nächsten Morgen vorbei sei. Und sie hatte Recht behalten.

Wir frühstückten wieder schön in unserem mittlerweile zur Ruhe gekommenen Waggon und machten uns dann auf Richtung Moray Firth zur Besichtigung des Fort George. Da waren wir damals auch kurz gewesen (mit den Kids), hatten aber keinen Pass und der Eintritt war sehr hoch. Außerdem zog damals ein Gewitter auf, da wollten wir schnell weiter. Jetzt wurde das Wetter immer besser, je weiter wir fuhren. Richtig sonnig am Schluss sogar. Als wir Fort George erreichen. Wir parken und schlendern hinein.

1746 wurden die Highlander in der Schlacht von Culloden besiegt. Um sie weiterhin kontrollieren zu können, bauten die Engländer 1748 eine mächtige Artilleriefestung auf der Landspitze, ca. 10 km von Nairn entfernt. Heute findet man dort das Regimentsmuseum der Queen´s Own Highlanders und die Seafield Waffensammlung.

Da ich gerade die "Outlander-Saga" gelesen hatte, war ich auf Culloden sehr gespannt. Ob man von dem Gemetzel noch etwas spüren würde? Von dem erdrückenden Gefühl, das die Schotten bereits am Abend vor dem "Untergang" hatten, an dem sie weiterhin frierend und total heruntergekommen, hungrig und schlapp für ihren Bonnie Prince Charlie ausharrten und doch wussten, dass die am nächsten Morgen nur verlieren konnten.

Das Schlachtfeld empfand ich nicht als bedrückend, die Filmaufnahmen im Inneren schon. Es muss wie ein kurzes Gewitter gewesen sein, dass über eine Armee hinwegfegt und sie einfach auslöscht. Oder sie als Gefangene in abgelegene Gefängnisse bringt, wo Folter und Zwangsarbeit an der Tagesordnung sind. Später dann wurden sie nicht etwa nach Hause entlassen, wenn sich Gefängnisse auflösten oder zu voll wurden, wurden die Gefangenen getrennt (es hatten sich auch dort schließlich Freundschaften gebildet) und nach den Westindischen Inseln oder woanders nach Übersee gekarrt. Dort durften sie dann weiterhin Dienste leisten. Sie waren und blieben Leibeigene der englischen Regierung.

Wir sind in einem (endlichen richtigen B&B) in Fortrose untergebracht. Das Bett ist dick und groß, das Zimmer ist sehr geräumig, die Dusche warm und das Frühstück am nächsten Morgen zeige ich Euch gleich. Auf jeden Fall lecker. Zu Fuß können wir ganz bequem die Straße hinunter zum Restaurant gehen, um dort zu essen. Auch ein Pluspunkt.

Das B&B heißt übrigens Arvdreckan B&B und die Dame, die es betreibt, arbeitete mal beim MI5. Ihr Mann war Fischer. Der ist mir auch lieber als sie, denn sie ist absolute Brexit-Befürworterin. Trotzdem haben wir uns dort (besonders der Karsten) sehr wohl gefühlt.

Als wir abends dort ankommen, ist die Dame des Hauses sehr argwöhnisch und dann völlig erleichtert. Sie dachte, Biker wären alle langhaarig, mit Kutten und schmierigen Tattoos, Ohrringen, lauter Musik und ungehobelten Manieren. Als sie uns sieht, lächelt sie, gibt uns den Schlüssel und fährt zur Geburtstagsfeier ihrer Tochter.

So, das war unser Frühstück am ersten Morgen dort (01.06.17). Rechts Karstens und links meins. Wir wollten ab jetzt weniger Schlösser und Burgen anschauen und uns mehr auf die Landschaft konzentrieren. Schließlich waren wir nun bald in den Highlands und da ist sowieso nicht mehr so viel mit Sightseeing. Heute wollten wir ins Glen Affric und eventuell in noch ein schönes Seitental, aber leider schlug auch hier der Regengott unerbittlich zu.

Die Fahrt zum Glen Affric war im Grunde sehr schön. Nur, dort angekommen, wimmelte es von kleinen mitches oder Fliegen, die uns wirklich ärgerten. Wir konnten garnicht richtig reden, dann flogen sie uns schon in die Münder. Das war doof. Also Picknicken war nicht. Aber sonst war es ein schöner Ausflug und vor allem abends das Essen im Restaurant war eine Wucht.

Schon wieder sind zwei Nächte um und besonders Karsten ist schon sehr aufgeregt: Heute geht es so weit nördlich, dass wir wirklich sagen können: mehr Highland geht nicht! Nach Lochinver soll´s gehen und meine Route ist eine, die wir noch nie benutzt haben. Ich habe Euch mal zwei von vier Filmen angehängt, die die Veränderung der Landschaft auf dem Weg dorthin deutlich machen sollen.

Unterwegs kommen wir an der Bona Bridge vorbei, den Falls of Shin und am Carbisdale Castle (auch Castle Spite). Wir haben Glück mit dem Wetter. Zwischendurch ziehen wir uns zwar einmal die Regensachen über, aber es wird überhaupt nicht schlimmer, sondern es ist eher windig. Die Landschaft wird immer grandioser und ich bin froh, dass wir die Reise so herum gemacht haben.

Am späten Nachmittag kommen wir in Lochinver bei unserem B&B an. Dort werden wir nett empfangen. Von Rehen. Überall Rehe in den Gärten, auf der Straße. Wir fahren schon ganz vorsichtig, damit wir nicht noch mit einem zusammen stoßen. Caren McBrain von DAVAR B&B heißt uns herzlich willkommen und sagt zu dem Umstand der Rehe, dass wir in der Dämmerung besser nicht mehr mit dem Motorrad fahren sollen, da es dann häufig zu Unfällen käme. Dann liefen die Rehe wirklich zuhauf über die Straßen.

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Wanderung "The old man of stoer"
Highland Walk - The Old Man of Stoer and
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Am 03.06.17 wollten wir eine Wanderung machen. Und zwar vom Stoer Lighthouse zum Old man of Stoer. Die Wanderung sollte sehr schön sein und das war sie auch. Passend fing es dann direkt bei der Rückkehr zu unseren Motorrädern an zu regnen. Und wie! Wir hatten noch den recht schwierigen Pass nach Drumbeg vor uns (teilw. 20% Steigung bzw. Gefälle) und als wir den dann im strömenden Regen absolviert hatten, wollten wir nur noch in unser Zimmer, duschen und ausruhen. Doch hier erst einmal die Eindrücke von der Wanderung.

Heute, am 04.06.17, ist zwar auch Regen angesagt, aber wir hatten uns vorgenommen, die Summer Isles zu besuchen. Das haben wir dann auch gemacht und sogar in recht gutem Wetter. Als es dann anfing zu regnen, sind wir Richtung Ullapool gefahren, haben dort Pause gemacht und wegen des Regens bin ich shoppen gegangen. Das hat dann auch mal Spaß gemacht. Vor allem, weil ich echt viele kleine, schöne Sachen gefunden habe. Doch jetzt zuerst einmal ein kleines Video zu den Summer Isles.

Am Abend zurück in Lochinver machten wir einen Spaziergang vor dem Essen und gönnten uns dann den absoluten Schweißtreiber: den Toffee sticky Pudding! Wow, da steht einem wirklich der Püh im Gesicht.

Am nächsten Tag hieß es dann schon wieder "Abschied nehmen vom hohen Norden". Leider. Das Wetter verhieß nicht besser zu werden und so fuhren wir gleich morgens nur ein Stück bis (fast) nach Ullapool und zogen uns schon auf dem Weg in einer Haltebucht die Gummianzüge über. Damit fuhren wir dann erst einmal eine Weile. Es sollte heute bis Applecross gehen. Und zwar an der Küste entlang. Ein wirklich sehr schöner Weg, auf dem mir das Fahren richtig Spaß gemacht hat.

In Applecross angekommen suchten wir zuerst einmal unsere Unterkunft. Eine Jugendherberge mit dem Namen "Hartfield House". Die war noch ziemlich verlassen und wir wollten schon unverrrichteter Dinge wieder wegbrausen, da kommt ein syrischer Flüchtling (wer hätte den dort vermutet?) und nahm unser Gepäck in Empfang, zeigte uns das Zimmer und übergab uns den Schlüssel. Bezahlt hatten wir bereits. Er war sehr freundlich und zeigte uns ebenfalls, wo wir am nächsten Morgen Kaffee und Porridge zubereiten könnten. Das Zimmer war okay und nach und nach kamen noch andere Motorradfahrer angefahren. Applecross entpuppte sich als so dermaßen kleiner Ort, dass man dort wohl wirklich sonst nirgendwo schlafen kann. Dann nichts wie weiter zum Applecross Inn. Mal sehen, wie es dort ist und ob es was zu Essen gibt. Das Wetter klarte auf und später am Inn konnte ich noch richtig schön die Sonne genießen. Das war ein toller Abend. Vor allem, als dann noch ein Senior aus Bielefeld ankam, der unsere Nummernschilder sah und unsere Herkunft erkannt hatte. Er erzählte, dass er jedes Jahr einmal herkäme. Es wäre für ihn in seinem Alter einer der schönsten Fleckchen Erde auf der Welt. Ein bisschen Recht hat er wohl - obwohl ich nicht alle Fleckchen kenne....

Heute, am 06.06.17, spürte ich schon so etwas wie Abschied nehmen von Schottland. Irgendwie war es so. Wir standen sehr früh auf und verzichteten auf den Selfmade Coffee und das Porridge, da Regen angesagt war. Der "gefährlichste Pass Schottlands", der Applecross-Pass stand auf dem Programm und da dieser sehr eng ist und auch ganz gut befahren, wollten wir den nicht im Regen fahren. So ganz wussten wir ja nicht, was uns erwartete. Also standen wir so früh auf, dass wir bereits um kurz nach 8:00 Uhr auf dem Weg zum Pass waren.

In Lochcarron genehmigen wir uns ein richtig heavy breakfast. Es bezieht sich draußen und wir wissen schon, dass es heute ein regnerischer Tag werden wird. Wir fahren weiter und statten Plockton noch einen Besuch ab. Der ist aber dieses Mal unspektakulär, denn wenn es in Plockton regnet, wirken auch die Palmen nicht so richtig. Danach fahren wir gefühlt zwei Stunden durch wirklich strömenden Regen und sehen nichts weiter als die Straße und das Navi. Wir wollen nach Fort William und dort noch zwei Nächte verbringen. Wir kommen pitschnass dort an und Paul vom Braeside House B&B lässt uns zuerst einmal die Motorräder unter seiner Überdachung unterstellen und dann lässt er uns unsere nassen Klamotten im Heizungsraum trocknen. Wir duschen und fühlen uns wieder wie Menschen. Das B&B liegt so klasse, dass wir nur über Stufen hinunter in die Innenstadt gelangen und dort von deutschsprachigen Menschen umgeben sind. Wir staunen. Was ist denn hier passiert? Die MTB Weltmeisterschaft war gerade und die Nachwehen laufen noch durch die Stadt. Und bald ist der Glen Nevis Run. Was das ist? Leute, das wollt Ihr nicht wissen. Die steigen bzw. wandern nicht die Berge hoch, die rennen! Schotten sind halt immer noch eine Spur härter drauf als man denkt.

Wir sind also in Fort William und haben uns für den ersten Tag eine Wanderung vorgenommen. Die machen wir auch, allerdings wegen der Wetteraussichten (Nebel und Regen in den höheren Lagen) doch woanders als geplant. Danach fahren wir noch als Abschiedsfahrt durch´s Glencoe-Gebiet und genießen das dann doch noch gute Wetter. Bei der Einfahrt ins Glencoe erwischt es Karsten fast. Ein White Van kommt von hinten angebraust. Karsten steht auf dem Mittelstreifen und will nach rechts abbiegen. Er lässt alle Autos von vorn durch und schlägt dann den Lenker ein - und wird dann fast von diesem Van von der Straße geputzt. Nur durch eine wirklich sehr schnelle und für den Fall optimale Reaktion mit einem Schlenker nach links kann sich Karsten retten. Der Van hatte so ein Tempo drauf, dass er Karstens gesamte Front beim Abbiegen und somit auch seinen Kopf voll erwischt hätte. Nach diesem Vorfall musste ich erst einmal zitternd an die Seite fahren und mich einkriegen von dem Schreck. Zur gleichen Zeit sind drei Motorradfahrer Richtung Isle of Skye über die Brücke unterwegs und werden - ebenfalls von einem Van - angefahren. Zwei von ihnen werden so attackiert, dass ein Motorrad und die zwei Fahrer von der Brücke in den Fluss stürzen. Der übrig gebliebene Fahrer ist am Ende noch mit uns auf der Fähre. Beide Fahrer wurden ordentlich verletzt, die zwei Motorräder haben Totalschaden, sein Motorrad ebenfalls arg beschädigt. Urlaub und Spaß an Schottland fanden ein jähes Ende. Aber: jetzt erst einmal zur schönen Wanderung und dann ins Etive Mor.

Diesen Tag betrachte ich im Grunde immer als "Abschlusstag", denn am nächsten regnet es wieder Katzen und Hunde. Wir machen uns auf den Rückweg zur Fähre und haben noch eine Zwischenübernachtung in Stirling. Auf dem Weg dorthin halten wir noch am Inveraray Castle, da wir das auf unserer Hochzeitsreise in 2006 nicht besichtigen konnten, denn es hatte damals an dem Tag geschlossen. Diese Besichtigung holen wir jetzt nach und trocknen auch bei diesem Aufenthalt ein wenig ab. Unterwegs wollten wir gern noch das Kilchurn Castle und das Castle Stalker näher betrachten, aber aufgrund des Wetters gibt es nur eine Fotografie vom Kilchurn Castle. Das andere musste ausfallen.

Als wir an diesem frühen Abend wirklich pladdernass auf den Hof des Broomhall-Castles einfahren, finden wir erst gar keinen richtig guten Untergrund für die Bikes. Alles ist rutschig und uneben, von den Bäumen tropft es in einer Tour und da ich keinen Hauptständer habe, schaue ich ein bisschen länger nach einem richtig guten Standplatz. Und finde ihn dann auch. Absteigen und auspellen, wir befinden uns ja immerhin bald in einem Schloss. Wir sind im Grunde etwas genervt und durchgeforen und werden aber dann sehr nett begrüßt. Der Weg zu unserem Zimmer gestaltet sich auch etwas nervig, denn die schweren Brandschutztüren, die auch noch unheimlich schmal sind, schlagen ständig hinter uns auf die sich noch in der Hand befindlichen Koffer und die Gänge sind sehr eng, die Treppen ebenfalls. Endlich haben wir das Zimmer erreicht und für 105 Pfund dachte ich, dass es ein wirklich königliches Zimmer sein müsse. Weit gefehlt. Eng und recht spartanisch ist das Zimmer. Das Bett ist nicht die Offenbarung, die Tür zum Badezimmer quietscht zum Steinerweichen und fällt immer sofort zu, lässt sich aber trotzdem nicht richtig schließen. Wir steigen in eine hohe Badewanne zum Duschen und gehen später zum Abendessen nach unten. In dem Gemäuer ist es kühl und am Fenster auch etwas zugig. Das hatte ich aber schon erwartet. Das Essen ist okay und das Frühstück am nächsten Morgen auch. Im Gästebuch wird das Schloss in den höchsten Tönen gelobt. Da möchte man gern mal die Zimmer der anderen Besucher sehen.....

Es regnet die ganze Nacht durch. Ich liege häufig wach im Bett und höre das Gepladder. Morgens regnet es auch noch und wir ziehen schon im Zimmer nach dem Frühstück unsere Regenklamotten an. Die sind Gott-sei-Dank relativ trocken. Die Handschuhe gehen gerade so. Im Laufe des Tages wird es aber viel besser. Unerwarteterweise. Bereits bei unserem Stopp zur Pause können wir die Regensachen ausziehen, der Wind weht frisch, aber es wird noch ein schöner Fahrtag.

Wir erreichen die Fähre bei Sonnenschein und treffen auf eine kleine Männergruppe, die erst auf der Isle of Man war und danach noch fünf Tage durch Schottland gekurvt ist. Wir reden ein bisschen, fahren zusammen auf die Fähre und treffen uns später noch zu dem einen oder anderen Heineken. Es wird ein netter, geselliger Abend und am nächsten Morgen fahren wir von der Fähre Richtung Heimat, wo wir kurz nach 13:00 Uhr eintreffen und zu einer Petersilienhochzeit eingeladen werden. Gleich gegenüber. Klasse, die Küche kann kalt bleiben.

Tja, liebe Motorradfreunde(innen), das war Schottland 2017. Einige Dinge würde ich anders planen, aber alles ist nun mal nicht planbar und es hängt auch immer viel vom Wetter ab. Von den 18 Tagen hatten wir ca. 5 Tage (nicht durchgehend) Regen. Eine doch gute Ausbeute für Schottland. Der Mai ist doch wieder unser bevorzugter Monat geworden. Im Juni wurde es zusehends nasser. So wird es vorher gesagt und so scheint es auch immer noch zu sein. Auch, wenn es dann mal kühler ist, besser, als nass!

Über die Straßen habe ich nicht viel verlauten lassen, WEIL: es sind meistens Single-Track-Roads, die ich ausgesucht habe und die sind nicht unbedingt kurvenreich oder mit irgendetwas zu vergleichen, was das Motorradfahrerherz höher schlagen lässt, AUßER: die sagenhafte Landschaft, das Gefühl, frei und allein durch die Welt zu fahren, die doch oft etwas geheimnisvolle und nicht immer vorhersehbare Wegführung, die Hidden Summits (verborgene Hügel), die einem das Achterbahnfahren wieder näher bringen und von den Menschen her die große Herzlichkeit und trotz Brexit immer noch eine sehr große Liebe zu Europa und uns Motorradfahrern. Wir hoffen, das bleibt so, denn wir werden sicherlich noch ein sechstes Mal nach Schottland fahren. Nicht in den nächsten drei Jahren, aber dann bestimmt mal wieder.